Ich wähle die Mindestpension

Ich habe meine Töchter nicht bekommen als Beitrag zur Rettung des Pensionssystems.

Okay! Ich gebe es ja zu! Ich habe meine Töchter nicht bekommen, um einen Beitrag zur Rettung des Pensionssystem zu leisten. Auch nicht, weil die Österreicher sonst auszusterben drohen. Die Bevölkerungspyramide - Sie wissen schon, dieses Dings, das immer weniger nach Pyramide und immer mehr nach Pilz aussieht - ist mir auch egal. Es gibt Menschen genug auf diesem Planeten! Irgendwer wird die Arbeit schon machen - mir das Essen auf Rädern vorbeirollen etwa, wenn ich einmal neunzig bin.

Ich gehöre außerdem nicht zu jenen, die der Meinung sind, dass ganztägige "Fremdbetreuung" Kindern schadet. Gut: Ich habe nach Hannahs Geburt einen netten und gut dotierten Job gekündigt. Aber nicht aus Pflichtgefühl - sondern um mir selbst etwas Gutes zu tun: Ein Kleinkind macht nämlich noch mehr Freude, wenn man nach einer kinderkrankheitshalber durchwachten Nacht nicht überlegen muss, ob man noch genug Pflegeurlaub übrig hat. Als Selbstständige hat man es da leichter. Jetzt ist Hannah bald vier, hat eine Schwester bekommen und das heißt: Ich werde wohl noch weitere sechs Jahre nur halbtags arbeiten.

Ganz im Gegensatz zu einer Kollegin, die nach der Karenz sehr rasch wieder ganztags in den Beruf zurückgekehrt ist. Ihrer Tochter geht es damit übrigens blendend!

Ich will mich also gar nicht auf irgendwelche Notwendigkeiten herausreden. Meine beiden Kinder sind, könnte man überspitzt formulieren, mein Hobby. Allerdings eines, das jetzt noch kostspieliger wird, als es ohnehin schon ist (und mein Mann ist als Schriftsteller kein Großverdiener!). Sollte ich je die Hoffnung auf eine existenzsichernde staatliche Pension gehegt haben - jetzt kann ich sie begraben. Selbst wenn ich voll arbeite, sobald die Kleinere in die Schule kommt: Bei einem Durchrechnungszeitraum von vierzig Jahren fallen zehn magere Jahre ganz schön ins Gewicht.

Aber wie gesagt: Ich hätte ja nicht kündigen müssen! Insofern kann ich es sogar verstehen, wenn unsere Frauenministerin meint, wir Mütter hätten die "Wahl".

Das heißt, ich könnte es verstehen: Gäbe es überall genug Krippenplätze. Träte diese Reform nicht rückwirkend in Kraft. Und wäre diese Ministerin nicht Mitglied einer Partei, die sich "familienfreundlich" gibt und von der ich zuallerletzt erwartet hätte, dass sie Frauen durch die Androhung von Altersarmut dazu drängt, nach spätestens zwei Jahren ganztags in den Beruf zurückzukehren.

Ach ja: Hat diese Partei nicht das Kindergeld beschlossen? Entschuldigung, aber manchmal streikt mein Gedächtnis: Wozu sollte das, bitte, noch einmal gut sein?

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

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