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Brasilien: Stichwahl zwischen Lula und Serra

Der Sozialist Luiz Inácio ¿Lula¿ da Silva hat mit 46,8 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit verpaßt.

RIO DE JANEIRO (ag.). Bei den Präsidentenwahlen in Brasilien zeichnet sich eine zweite Runde zwischen dem Sozialisten Luiz Inácio „Lula“ da Silva und dem Bewerber der Mitte-Rechts-Regierung José Serra ab. Wie die Wahlbehörde TSE am späten Sonntagabend (Ortszeit) nach Auszählung von mehr als 34 Prozent aller Wahllokale in Brasilia mitteilte, gewann der 57-jährige Lula von der Partei der Arbeiter (PT) den ersten Wahlgang zwar klar mit 46,80 Prozent, verpaßte aber die absolute Mehrheit. Der ehemalige Gewerkschaftschef muß sich demnach einem zweiten Wahlgang am 27. Oktober stellen.

Serra bei 24,6 Prozent

Der frühere Gesundheitsminister Serra (60) kommt nach Angaben der TSE unterdessen auf 24,60 Prozent der Stimmen. Mit großem Rückstand folgt auf Platz drei der linksgerichtete Ex-Gouverneur des Bundesstaates Rio, Anthony Garotinho, mit 15,60 Prozent vor dem Regionalpolitiker Ciro Gomes mit 12,50 Prozent.

Bei einem Wahlsieg von Lula würde das größte Land Lateinamerikas erstmals von einem Sozialisten regiert werden. „Ich habe keine Angst vor der zweiten Runde“, sagte Lula in einem ersten Kommentar. Serra hüllte sich vorerst in Schweigen.

Gewählt wurden am Sonntag auch der Kongreß in Brasilia, die Landesparlamente der 26 Bundesländer und des Bundesdistrikts Brasilia sowie die Gouverneure. Nach den vorläufigen Zahlen erreichten Kandidaten von Lulas PT auch die Stichrunde in den zwei wichtigsten Metropolen, Rio de Janeiro und Sao Paulo. Die PT will die Zahl ihrer Gouverneure auf zehn verdoppeln. Im Bundesparlament wird sie laut Wählerumfragen trotz leichter Verbesserungen nur rund 30 Prozent der Abgeordneten stellen.

Im Wahlkampf waren Arbeitslosigkeit, Kriminalität und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich die Hauptthemen. Unter Investoren herrscht Sorge, ob Lula die marktliberale Reformpolitik des scheidenden Präsidenten Fernando Henrique Cardoso fortführen und die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas aus der Schuldenkrise führen kann. Lula will nach eigenen Angaben mit Bildungs- und Gesundheitsprogrammen der Armut in dem Schwellenland entgegenwirken.
 
Als Favorit der Finanzmärkte gilt dagegen der frühere Gesundheits- und Planungsminister Serra, der auch vom scheidenden sozialdemokratischen Präsidenten Cardoso unterstützt wird. Serra warb im Wahlkampf mit dem Slogan: „Kontinuität mit Veränderung". Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte im Sommer dem mit 260 Milliarden Dollar (etwa 265 Milliarden Euro) verschuldeten Land einen Kredit in Rekordhöhe von 30,4 Milliarden Dollar gewährt. Brasiliens Wirtschaft ist die neuntgrößte der Welt.