Skoda, Toyota und Peugeot führen die tschechische Autoindustrie auf die Überholspur

Die Produktionsanlage für den Skoda Superb geht in Betrieb, Toyota und Peugeot bauen gemeinsam einen Kleinwagen. Niedrige Lohnkosten und hohe Produktivität sprechen für den Standort Tschechien.

Die Autoindustrie setzt auch in Zukunft auf den Produktionsstandort Tschechien. Am Montag eröffnete die Volkswagen-Tochter Skoda im ostböhmischen Kvasiny, einem industriell wenig erschlossenen Gebiet zwei Autostunden von Prag entfernt, die Produktionsanlage für das neue Skoda-Modell Superb.

Detlef Wittig, der für die Marke Skoda verantwortliche Volkswagen-Vorstand, bringt im Gespräch mit österreichischen Journalisten die Gründe für die Standortwahl auf einen einfachen Nenner: Die Lohnkosten in Kvasiny belaufen sich auf rund ein Fünftel jener in Deutschland - und die Produktivität ist nahezu gleich. Wittig: "Die Qualifikation der Mitarbeiter ist vorhanden. Das Qualitätsbewußtsein war zwar in der kommunistischen Ära nicht so ausgeprägt, aber die Ausbildung war gut."

Der VW-Konzern setzt aufgrund des niedrigen Lohnniveaus auf einen geringeren Automatisierungsgrad. Beim Superb werden rund 30 Prozent der Produktion von Industrierobotern erledigt. Beim vergleichbaren VW-Passat sind es rund 60 bis 70 Prozent. Angesichts der niedrigen Personalkosten wäre ein höherer Kapitaleinsatz völlig unsinnig, so Wittig. Die Folgen eines steigenden Lohnniveaus fürchtet der Skoda-Aufsichtsratschef nicht. Zu Beginn des VW-Engagements lag das tschechische Lohnniveau noch bei zehn bis zwölf Prozent des deutschen. Doch selbst eine Lohnerhöhung von zehn Prozent ergebe in absoluten Zahlen nur den gleichen Betrag wie eine Erhöhung um zwei Prozent in Deutschland.

Mit dem Superb verfügt Skoda nun über drei Modelle (Oktavia und Fabia sind bereits erfolgreich auf dem Markt eingeführt). 30.000 bis 35.000 Fahrzeuge will man jährlich vom Superb (in Österreich ab 350.000 S erhältlich) verkaufen. Für die Skoda-Manager ist es sicherlich eine spannende Frage: Gelingt es, mit dem Image des Billig-Herstellers auch in ein teureres Produktsegment vorzudringen? Vom Erfolg wird auch abhängen, wie die weitere Produktstrategie aussieht.

Immerhin weist die Modellpalette noch einige Lücken auf. Ein Minivan fehlt ebenso wie ein Geländewagen. "Vor weiteren Schritten warten wir jetzt einmal ab", sagt Wittig. Das liegt auch daran, daß die Produktionskapazität in den drei Werken (neben Kvasiny gibt es das Stammwerk in Boleslav und ein weiteres Werk in Vrchlabi) nahezu ausgeschöpft ist. Bei der Übernahme durch VW hat Skoda 170.000 Fahrzeuge im Jahr produziert, jetzt sind es rund 450.000. Tschechien, wo Skoda seit 1991 rund 3,5 Mrd. Euro in Produktionsanlagen investiert hat, bleibt jedenfalls der bevorzugte Produktionsstandort. Alternativen seien Länder weiter im Osten, etwa Rußland, keinesfalls aber der Westen, so Wittig. Probleme bereitet der Volkswagen-Tochter die derzeit hohe tschechische Krone (siehe auch obenstehenden Artikel). Sie sei eine "hohe Belastung und volkswirtschaftlich unverständlich", so Wittig.

Neben dem traditionellen Hersteller Skoda haben nun auch andere Autokonzerne den Standort Tschechien entdeckt. Heute, Mittwoch, erfolgt in Kolin, 60 Kilometer östlich von Prag, der Spatenstich für ein neues Autowerk. Der japanische Konzern Toyota und die französische Peugeot-Citroën-Gruppe (PSA) investieren 1,5 Mrd. Euro in ein Kleinwagenwerk mit einer Jahreskapazität von 300.000 Autos. Mit einer gemeinsamen Plattform sollen Fahrzeuge aller drei Marken hergestellt werden.

Toyota kümmert sich um Entwicklung und Produktion, PSA ist für Zulieferungen verantwortlich. Die Hersteller sprechen von einem neuen Autokonzept. Der Kleinwagen mit vier Sitzen soll billiger und sparsamer sein als die derzeit auf dem Markt befindlichen Modelle.

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