Analyse: Die Kurse für Kronen, Zloty und Forint steigen weiter

Trotz unterschiedlicher volkswirtschaftlicher Szenarien sind weitere Aufwertungen der wichtigsten Währungen Mitteleuropas kaum aufzuhalten.

LONDON. Ungarn und Tschechien kämpfen mit Überhitzungserscheinungen ihrer Volkswirtschaften, Polen dagegen mit einer ausgeprägten Wachstumsschwäche.

Was alle drei Länder laut einer Analyse der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) in London aber gemeinsam haben, sei der unablässige Druck an den Kapital- und Devisenmärkten, der die Wechselkurse der Währungen dieser wichtigen EU-Beitrittskandidaten in die Höhe treibe. "Trotz ihres Wunsches nach einem schwächeren Forint wird sich die Regierung Ungarns auf Dauer nicht dessen Aufwertung entgegensetzen können", meinen die CSFB-Experten klipp und klar in ihrem Bericht. Nicht nur Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Überhitzungserscheinungen (bei einem Wirtschaftswachstum von voraussichtlich vier Prozent 2002) würden der Währung weiteren Auftrieb geben.

Ein noch fundamentalerer Faktor sei am Werke: Trotz eines auf über drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigenden Defizits in der Leistungsbilanz werde die Zahlungsbilanz Ungarns nach Berücksichtigung reichlicher Kapitalzuflüsse auch 2002 mit einem erklecklichen Überschuß abschließen. Da es Budapest unter diesen Umständen wohl kaum gelingen werde, den Forint herunterzureden, werde die Regierung wohl spätestens 2003 einer Erweiterung der Schwankungsbreite gegenüber dem Euro und damit letztlich einer weiteren Aufwertung zustimmen.

In Tschechien ist der Aufwärtsdruck für die Krone, der Importe billiger macht und so die Inflation dämpft, derzeit ebenfalls Thema Nummer eins. Das Problem reichlicher Kapitalzuflüsse und der daraus resultierenden Überhitzung sei dort noch akuter als in Ungarn. Der Überschuß an Devisen könnten 2002 drei Mrd. Euro erreichen. Etwa die Hälfte davon dürften bis jetzt von der Zentralbank aufgekauft worden sein.

In den zwölf Monaten ist der Kurs der Krone um etwa zehn Prozent gegenüber dem Euro gestiegen. Trotz der vorübergehenden Stabilisierung bei etwas unter 30 Kronen soll der Aufwertungsdruck schon bald wieder zunehmen, sagen die Analysten. Schon der derzeitige Wechselkurs sei unangemessen, sagte hingegen der Vizegouverneur der tschechischen Nationalbank, Ludek Niedermayer, in einem Interview mit der BBC.

Scheinbar ungeachtet der gegenwärtigen Wachstumsschwäche und des Anstiegs der Öffentlichen Defizite auf sechs Prozent des BIP übten auch die reichlichen Kapitalzuflüsse Polens weiterhin Aufwärtsdruck auf den Zloty aus. Warschau sei es zwar gelungen, den Kurs in diesem Jahr nach einem 10,4 prozentigen Anstieg 2001 geringfügig "herunterzureden". Spätestens 2003 dürfte der Außenwert der Währung unter einem neuen "Wechselkursregime" wieder steigen und bis Jahresende etwa 3,5 bis 3,6 Zloty gegenüber dem Euro erreichen.

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