Polen, Ungarn und Tschechien stehen kurz vor einer Erholung von dem Wachstumseinbruch von 2001.
LONDON. Gleich zwei Schwergewichte der volkswirtschaftlichen Analyse, die Bank Credit Suisse First Boston (CSFB) und die Economist Intelligence Unit (EIU) in London, haben nun mit positiven Prognosen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Mitteleuropa aufhorchen lassen.
Der hohe Zufluß an Auslandsinvestitionen in die Region wird einer Studie der EIU zufolge bis auf weiteres andauern und sogar noch ansteigen. Mit zehn Prozent vom Bruttoinlandsprodukt hätten die Zuflüsse in Tschechien in dem Zeitraum 1999 bis 2001 gar die höchste Auslandsinvestitionsrate pro Kopf der Welt und per Ende 2001 ein Volumen von 25,7 Mrd. Dollar (29,4 Mrd. €/405 Mrd. S) erreicht. Jetzt sei das Land auf gutem Wege, durch weitere Reformen und Privatisierungen das beste Geschäftsklima im ehemaligen Ostblock zu bieten.
In Polen wird das bisher günstige Umfeld für Auslandsinvestitionen unter der neuen Mitte-Linksregierung dagegen laut EIU lediglich "weitgehend aufrecht erhalten". Das Land leide unter den Verkrustungen auf dem Arbeitsmarkt, der schlechten Infrastruktur und hohen Steuern. Diese Faktoren würden den hohen Zufluß an Auslandsinvestitionen jedoch nicht beeinträchtigen. Diese sollen 2002 bis 2006 mit durchschnittlich 7,5 Mrd. Dollar im Jahr deutlich die Zuflüsse (des wesentlich kleineren) Tschechiens (5,06 Mrd. Dollar) und auch Ungarns (2,34 Mrd. Dollar) übertreffen.
Ungarn wird laut EIU zwar weiterhin ein verhältnismäßig günstiges Geschäftsklima bieten. "Ungenügend reformiert" seien jedoch die Staatsfinanzen, es gebe zu viele Klagen über unnötige Bürokratie, Korruption und Verbrechen. Außerdem beeinträchtige der vergleichsweise schlechte gesundheitliche Zustand der erwerbstätigen Bevölkerung die Wirtschaftsleistung.
Trotz solcher Mängel und "Schönheitsfehler" sind sich die Experten der EIU und CSFB in der Beurteilung der Wachstumschancen einig. Die CSFB erwartet praktisch für sämtliche Länder einen Wiederaufschwung ab Jahresmitte. Lediglich in Polen werde dieser nach der Stagnation von 2001 zunächst verhalten ausfallen. Die EIU rechnet dort mit einem Zuwachs des BIP von nur 1,6 Prozent (2001: 1,1 Prozent) und erst für 2003 mit 3,5 Prozent. Für die übrigen Länder Mitteleuropas gehen die Experten schon für 2002 von 3,5 Prozent Wachstum aus.