Neuer Finanzminister schickt Zloty auf Talfahrt

Von Gregorz Kolodko als neuem polnischen Finanzminister erwarten sich die Finanzmärkte eine weitere Abwertung der Währung.

WARSCHAU/WIEN (and). Noch hält sich Gregorz Kolodko zurück. Der neue polnische Finanzminister, der am Freitag Marek Belka nachfolgte, hat sich noch nicht über die künftige Geld- und Wirtschaftspolitik geäußert. An den Finanzmärkten scheint man sich - zumindest in bezug auf die Währungspolitik - einig zu sein. Der Zloty befindet sich im Sinkflug. Gilt doch Kolodko, der bereits Finanz- und Vize-Premierminister von 1994 bis 1997 als Fürsprecher einer weichen Währung und expansiven Finanzpolitik.

So erwartet beispielsweise Credit Suisse First Boston eine Ausweitung des Budgetdefizits, um mit neuen Ausgaben den Konjunkturmotor in Gang zu setzen. Dank eines höheren Wirtschaftswachstum würden die Steuereinnahmen automatisch steigen - so das Kalkül des neuen Finanzministers. Die Märkte sind vor allem deshalb beunruhigt, weil das Budgetdefizit bereits jetzt 5,5 Prozent des Inlandsprodukts ausmacht. Eine weitere Lockerung der Haushaltspolitik würde die Nervosität noch erhöhen.

Die Investmentbank hat trotz offizieller Beteuerungen, wonach keine Änderung der Währungspolitik geplant sei, ihre Zloty-Einschätzung modifiziert und geht nun von einem weiteren Absinken der polnischen Währung aus. Aufhorchen ließ Kolodko bereits vor seiner Ernennung zum Minister mit der Aussage, der Zloty sollte an den Euro gebunden werden. Als Währungskurs schlug er 4,35 Zloty für einen Euro vor, sieben Prozent weniger als derzeit. Zudem wird erwartet, daß Kolodko den Druck auf die Zentralbank erhöhen wird, die sich mit Zinssenkungen zurückhält.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.