Opposition und Frächter kritisieren den Kompromißvorschlag zum Transit. Die Fahrzeugindustrie will indessen ihre Anstrengungen für die Produktion einer neuen Lkw-Generation verstärken.
WIEN. "Nationale Solidarität" forderte am Mittwoch ÖVP-Verkehrssprecher Helmut Kukacka ein. Die Oppositionsparteien sollten keine "kleinkarierte Kritik" am Kompromiß zum Transit vorbringen. SPÖ und Grüne dachten freilich nicht daran, in Begeisterung auszubrechen. Die Regelung, daß für Euro-4-Lkw keine Ökopunkte mehr abgebucht werden müssen, bedeute de facto die Aufhebung der Ökopunkte-Regelung, so etwa SP-Verkehrssprecher Kurt Eder. Auch das Transitforum Tirol kritisierte den Kompromißvorschlag.
Unzufrieden sind aber auch die Frächter. Einerseits würde die neue Lkw-Generation nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen. Andererseits würden nun alle bestraft, die in den vergangenen Jahren in moderne Euro-3-Lkw investiert haben, meint Rudolf Bauer, Geschäftsführer der Fachgruppe Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer. Bei Euro-4-Lkw warnt Bauer vor einer zu raschen Einführung. Wenn man die Industrie zu sehr unter Druck setze, könnten technisch unausgegorene Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Auch die ersten Flüster-Lkw seien technologisch eine Katastrophe gewesen.
Vor Innovationsschub
Bruno Krainz, Geschäftsführer des Lkw-Produzenten MAN-Steyr, rechnet damit, daß die Fahrzeugindustrie nun ihre Anstrengungen verstärken wird. "Die Politik kann einen Innovationsschub auslösen", so Krainz. Derzeit gebe es noch keine Euro-4-Fahrzeuge, aber die ganze Industrie arbeite daran. Der Termin für die Einführung der neuen Fahrzeuggeneration war bisher das Jahr 2005. Etwas vorverlegen werde man das sicher können.
Zu erwarten ist, daß in relativ kurzer Zeit der Fuhrpark der Frächter auf Euro-4 umgestellt sein wird. Die großen Betriebe wechseln ihren Fuhrpark erfahrungsgemäß alle zwei bis drei Jahre. Derzeit werden beispielsweise 42 Prozent aller Transitfahrten mit Euro-3-Lkw abgewickelt - eine Technologie, die erst seit dem Jahr 2000 verfügbar ist. Ältere Fahrzeuge sind zwar weiterhin im Einsatz - die Lebensdauer eines Lkw beträgt im Schnitt elf Jahre - doch werden sie eben nicht mehr für den Transit eingesetzt, da damit zu viele Ökopunkte verbraucht würden.