Telekom-Verkauf im Rollen: Italiener-Rückzug aus Mobilkom ist fix

Das Konzept für einen Rückzug der Telecom Italia und in Folge auch der ÖIAG aus der Telekom Austria nimmt Konturen an. Nun wird an einem optimalen Ausstiegsszenario für die Italiener bei der Mobilkom getüftelt.

WIEN. In den Bemühungen um eine neue Eigentümerstruktur bei der börsenotierten Telekom Austria (TA) - infolge des Ausstiegs der Telecom Italia soll sich auch die ÖIAG zurückziehen - zeichnet sich nun ein konkretes Konzept ab. Zwischen ÖIAG und den Italienern (die knapp 30 Prozent an der TA und über ihre Handytochter TIM 25 Prozent plus eine Aktie an der Mobilkom halten) soll inzwischen fix vereinbart sein, daß das TA-Festnetz und die Mobilkom getrennte Privatisierungswege gehen.

Dabei sollte der erste, sich inzwischen konkret abzeichnende Schritt nicht mehr lange auf sich warten lassen, erfuhr die "Presse" aus dem Konzernumfeld und aus Bankenkreisen: Die TIM verkauft ihren Anteil an der Mobilkom "zurück" nach Österreich. Das würde Bankerschätzungen zufolge der TIM einen fetten Gewinn bringen, zumal sie einst für den Mobilkom-Anteil 610 Mill. Â bezahlt hat und nun der Gesamtwert des Handynetzbetreibers vom Investmenthaus SchroderSalomonSmithBarney auf gut vier Mrd. Â geschätzt wird.

Für die Übernahme des Mobilkom-Anteils werden derzeit zumindest zwei Varianten geprüft: entweder die TA selbst kauft zurück, dazu müßte sie sich allerdings neu verschulden, was wiederum auf den Aktienkurs negative Auswirkungen haben dürfte. Ergo könnte das Mobilkom-Viertel auch bei einer Bank bzw. einem Konsortium geparkt werden. In jedem Fall könnte die Mobilkom dann entweder an die Börse gebracht ("Die Presse" 9. Jänner) oder an einen strategischen Investor verkauft werden.

In einem weiteren Schritt könnte dann bei der TA (mit Internet und Datakom) ohne Zeitdruck über die Vorgangsweise in Sachen Privatisierung nachgedacht werden. Die Telecom Italia kann ohne Zustimmung der ÖIAG von Oktober 2003 ohnehin nicht verkaufen.

Banken-Beauty Contest

Indiz dafür, daß das komplexe Ringen um einen TA-Verkauf in eine erste "heiße" Phase getreten ist: Bei der ÖIAG wurde gerade der Beauty Contest zur Auswahl einer Investmentbank abgeschlossen, die die Staatsholding bei den weiteren Verkaufsschritten unterstützen soll. Neben Erste Bank, RZB und Bank Austria (über die HypoVereinsbank) haben sich auch alle großen ausländischen Investmentbanker - allen voran Merrill Lynch, die die TA beim Börsegang begleitet haben - beteiligt, insgesamt dem Vernehmen nach elf Institute. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Die Telecom Italia, die gerade ihre Wiener Niederlassung schließt und damit auch offiziell ihre Ausstiegswünsche aus Österreich demonstriert, wird wie berichtet von J.P. Morgan begleitet.

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