Unter ein neues Dach der ÖBB sollen nicht nur die Bereiche Infrastruktur und Absatz kommen, sondern auch der Postbus. Die Schig soll an die Infrastruktur angegliedert werden.
WIEN. Die "echte" Trennung der ÖBB in einen Absatz- und einen Infrastrukturbereich ist endgültig vom Tisch. Statt dessen wird an einer Holding-Struktur für die Bundesbahnen gebastelt. Dem Modell zufolge - als dessen "Baumeister" gilt der vom Finanzministerium in den Asfinag-Vorstand gewechselte Christian Trattner (er ist auch Aufsichtsrat in der ÖBB und der Schieneninfrastrukturfinanzierungs-Gesellschaft/ Schig) - könnten unter einer ÖBB-Holding nicht nur die Bereiche Absatz und Infrastruktur angesiedelt werden, sondern auch der Postbus (siehe untenstehender Bericht). An die Infrastruktur wiederum sollte der Schig angehängt werden.
Mit der Umwandlung der ÖBB in eine "echte" Aktiengesellschaft (derzeit sind die ÖBB-Organe nur einer AG nachgebildet) und der Übertragung der Schig mitsamt ihren Schulden (von mehr als drei Mrd. Euro) an die ÖBB wären die Probleme mit der Maastricht-Konformität gelöst, meinen Insider. Deshalb dürfte die Holding-Lösung auch von Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Infrastrukturminister Mathias Reichhold betrieben werden: Bliebe die Schig als separate Gesellschaft bestehen, würden ihre Schulden wegen der Maastricht-Kriterien die Verbindlichkeiten der Republik erhöhen.
Die Eingliederung der Schig in die ÖBB hatte kürzlich auch der Boss der Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, vorgeschlagen. Daß sich der Wunsch der Gewerkschaft mit den Vorstellungen der Regierung deckt, halten Beobachter für ein Indiz, daß die Holding-Struktur tatsächlich kommen könnte. "Das ist sicher eine Variante", verlautete dazu von der ÖBB zur "Presse". Minister Reichhold war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Der ÖBB-Aufsichtsrat kann die neue Struktur nicht entscheiden (das ist Sache des Eigentümers), bei seiner nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag dürfte das Thema aber diskutiert werden. Voraussetzung ist eine Änderung des ÖBB- und des Schig-Gesetzes.