Gegensätze am Kap der Guten Hoffnung belasten die Wirtschaft

Südafrika kämpft um Investoren. Doch Aids, strikter Kündigungsschutz und der geplante Black Empowerment Act schrecken internationale Firmen ab.

JOHANNESBURG. Frühling in Südafrika. In Pretoria blühen die Jacaranda-Bäume, bei Kapstadt treibt der Wein, an der Küste werden die Strände für die Badesaison hergerichtet. Wirtschaftlich schaut es zur Zeit allerdings nicht so rosig aus, erklärt Lungisa Magwentshu, Chef von Trade & Investment Southafrica, einer staatlichen Agentur zur Förderung von Direktinvestitionen und Export. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent, die Inflation wird heuer zwölf Prozent betragen und der Rand verliert gegenüber Euro und Dollar laufend an Wert.

Dazu kommen ganz andere Probleme. Aids stellt die Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik vor große Herausforderungen. Jeder Dritte im erwerbsfähigen Alter ist HIV-positiv. Aufklärungskampagnen werden aber nicht konsequent genug durchgezogen, die Einführung der Kombinationstherapie verzögert, sagt Kurt Spallinger, österreichischer Botschafter in Johannesburg.

Für Unsicherheit sorgt das geplante Gesetz zur Gleichstellung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit (Black Empowerment Act). Es sieht vor, daß Jobs an Schwarze vergeben werden, auch wenn ein Weißer besser qualifiziert wäre. Außerdem sollten Schwarze an neu gegründeten Firmen substantiell beteiligt werden.

In diesen Maßnahmen sieht die Regierung eine Möglichkeit, die Ausbildung der Schwarzen zu fördern und ihre Managementkapazitäten zu stärken, nachdem sie früher per Gesetz vom Bildungssystem ferngehalten wurden, erklärt Magwentshu.

Laut Spallinger stelle das für westliche Firmen ein großes Problem dar, ebenso wie der strikte Kündigungsschutz. "Man kann sich nicht einfach von Mitarbeitern trennen." Es müsse drei schriftliche Verwarnungen geben, in denen genau steht, warum der Arbeitgeber unzufrieden ist. Das Arbeitsgericht prüft jede Kündigung.

Sünden korrigieren

Die Methoden, wie der Nach-Apartheid-Staat Südafrika die Sünden der Vergangenheit korrigieren will, erregt immer wieder Unmut. De-Beers-Chef Nicky Oppenheimer sieht die Diamantenindustrie gefährdet. Neue Schürfrechte soll es nämlich nur geben, wenn schwarze Unternehmen zu 30 Prozent daran beteiligt sind. Bei neuen Bergbau-Aktivitäten soll der Anteil sogar bei 51 Prozent liegen.

"Es ist ein großes Problem, daß die gesamte Wirtschaft in der Hand der Weißen ist", sagt Magwentshu. Wie ernst es gemeint ist, belegt ein Bericht des Wall Street Journal. Demnach planen Schwarze eine Klage auf Wiedergutmachung in Millarden-Höhe gegen westliche Firmen wie Citigroup, Exxon, General Motors, IBM, Deutsche Bank, DaimlerChrysler oder UBS. Grund: Während jahrelang Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden seien, hätten diese internationalen Konzerne im Land Profite gemacht.

Es gibt noch andere Hindernisse, die Investoren abschrecken. Die Sicherheit zum Beispiel: In Südafrika investieren Unternehmen mehr in Sicherheit als für Aus- und Weiterbildung, sagt Spallinger. Familien von Managern wollen oft nicht mitgehen, weil es nicht möglich sei, das Haus am Abend alleine zu verlassen.

Das Problem ist offensichtlich: Fast täglich wird in Zeitungen mit Systemen geworben, die das Autofahren sicherer machen sollen. Per Satellit, so verspricht die Anzeige, werde man im Falle einer Entführung in zehn Minuten geortet. Auf den Straßen steht kein Haus ohne der Aufschrift "Armed Response" von einem Sicherheitsdienst. Rund 25 Euro kostet der persönliche Wachdienst pro Monat, erzählt der Geschäftsführer der südafrikanischen Novomatic-Tochter Warren Banks. Seine Frau trage ein Armband, mit dem sie im Notfall die Sicherheitsleute alarmieren kann. Doch Diebstähle und auch Vergewaltigungen zählen in Südafrika zum Alltag.

Südafrika will nun an mehreren Rädern drehen, um die Wirtschaft anzukurbeln. "Wir wollen in die Infrastruktur investieren, mit 14 afrikanischen Staaten eine Freihandelszone errichten und Ein- und Ausfuhren erleichtern", sagt Magwentshu. Das Land sitze auf allen wichtigen Bodenschätzen, außer Öl. Doch anstatt Gold, Diamanten oder Platin roh zu exportieren, sollen künftig verstärkt Produktionsbetriebe angesiedelt werden.

An Bedeutung soll auch
der Tourismus gewinnen. Derzeit besuchen rund fünf Millionen Gäste Südafrika. "Die meisten kommen aus Rest-Afrika zum Einkaufen", sagt Magwentshu. Mit Safaris, Weinreisen und Golfplätzen sollen verstärkt Urlauber aus Europa, den USA oder Asien angezogen werden.

Die wichtigste Herausforderung bleibe jedoch der gesellschaftliche Wandel. "Erst dann kann sich auch wirtschaftlich etwas verbessern."

Denn noch leben erste und dritte Welt in unmittelbarer Nachbarschaft: Hier die Blechhütten in den Townships, ein paar Kilometer weiter hypermoderne Häuser. Die Gegensätze zwischen Armen und Reichen, Schwarzen und Weißen prallen im Land genauso heftig aneinander wie der Indische und der Atlantische Ozean am Kap.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.