Klagsdrohungen vor der Hauptversammlung sorgen beim Leiterplattenhersteller AT & S für Unruhe.
Was als Paradebeispiel eines Management-Buyouts begonnen hat, artet nun in eine Schlammschlacht aus. Vor der Freitag stattfindenden Hauptversammlung des steirischen Leiterplattenherstellers AT & S hagelt es Klagsdrohungen. Zunächst hatte Großaktionär Helmut Zoidl per Gerichtsbeschluß den Antrag auf Sonderprüfung auf die Tagesordnung setzen lassen. Darauf drohte ihm der Betriebsrat (!) mit rechtlichen Schritten. Großaktionär Hannes Androsch will Zoidl klagen, Zoidl gegen den Betriebsratschef vorgehen.
Hintergrund der Fehden rund um den Industriebetrieb sind persönliche Verstimmungen. 1994 hatten Helmut Zoidl und Willi Dörflinger, Vorstände des damals schwer defizitären staatlichen Leiterplattenherstellers, ein Management-Buyout gestartet. Dritter im Bunde: der ehemalige Finanzminister und CA-Generaldirektor Hannes Androsch. Der Schritt in die Selbständigkeit war für alle drei die erste Firmenübernahme. (Auch für Androsch, die Salinen und der Flugzeugzulieferer FACC folgten erst später). Ein mutiger Schritt: Jeder blätterte für das mit 600 Mill. Schilling verschuldete Unternehmen 30 Mill. Schilling auf den Tisch.
Eine Investition, die sich lohnen sollte. Dem Management-Duo Zoidl/Dörflinger gelang es, AT & S im Zuge des Handy-Booms zu sanieren und 1999 einen erfolgreichen Börsegang zu starten. Der Wert des Unternehmens stieg in der Boomphase auf bis zu 17,5 Mrd. S an. Die drei Haupteigentümer hielten immer noch je 20 Prozent.
Zu Bruch ging allerdings die Harmonie an der Spitze. Zoidl war nur noch sporadisch anwesend und überließ das Tagesgeschäft Dörflinger, stand aber weiterhin im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Die Zusammenarbeit endete im Streit, Zoidl wechselte im Jänner 1999 in den Aufsichtsrat, um sich vorrangig seinen Privatgeschäften zu widmen. Dazu gehören das Schloßhotel in Gabelhofen und ein Thermenprojekt in Fohnsdorf, das mit kräftiger Finanzhilfe des Landes Steiermark verwirklicht wird. Vor einem Jahr gab Zoidl auch seinen Posten im Aufsichtsrat auf.
Verletzte Eitelkeiten und ein gestörtes Verhältnis zu den beiden anderen Haupteigentümern bestimmen nun das Geschehen. Was Zoidl im Zuge der Sonderprüfung konkret untersucht haben will, ist noch nicht bekannt. Öffentlich wies er auf den (auf ein Viertel des Höchstwertes) gesunkenen Aktienkurs hin. Die Kurse sind allerdings in der gesamten Branche gefallen - Konkurrenten mußten noch viel stärkere Abschläge hinnehmen. Zweiter Angriffspunkt: Die Aktienverkäufe von Vorstandsmitglied Harald Sommerer - Schwiegersohn von Androsch - im Vorfeld einer Gewinnwarnung. Die Börsenaufsicht hatte allerdings nichts Verfolgenswertes hinter dieser Aktion entdecken können.