Business Talk: Neuer Infrastrukturchef kommt aus eigenem Haus

Fünf Kandidaten sind in der Endrunde für den Posten des ÖBB-Infrastrukturvorstandes. Alle haben ihre Wurzeln im Unternehmen.

Nachdem vor einem Jahr mit Rüdiger vorm Walde und Ferdinand Schmidt zwei Manager von außen an die Spitze der heimischen Bahn gehievt worden waren, dürfte man sich nun beim "dritten Mann", dem Nachfolger des in einem Jahr ausscheidenden Infrastrukturchefs Helmut Hainitz, auf einen "gstandenen ÖBBler" einschwören. Zumal der nicht immer glückliche Managementstil vorm Waldes auch in Regierungskreisen zusehends mit Argusaugen beobachtet wird. Und damit der Ruf nach einem starken Gegengewicht nicht mehr zu überhören ist.

Rund zwanzig Kandidaten hatten sich bei der schon im Frühjahr lancierten Ausschreibung beworben, fünf sind nun in der Endauswahl. Vier davon arbeiten im Unternehmen.

Ausgezeichnete Chancen werden Alfred Zimmermann zugesprochen. Er ist zwar nicht im Bereich Infrastruktur tätig, leitet aber einen wichtigen Bereich im Unternehmen: die Technischen Services. Damit ist er Herr über die Werkstätten und das Wagenmaterial - ein Bereich mit immerhin 5400 Mitarbeitern. Zimmermann gilt als Favorit von Aufsichtsratspräsident Franz Rottmeyer und als politischer Nullgruppler. Ob ihn diese Kombination tatsächlich in den Vorstandssessel katapultiert, ist freilich noch offen.

Hainitz selbst soll seinen Mitarbeiter Gerard Presle favorisieren. Der Zivilingenieur ist Abteilungsleiter im Geschäftsbereich Fahrweg, er gilt als VP-nahe und damit als politisch "richtiger" Nachfolger von Hainitz. Sein Handicap: Er ist derzeit noch in keiner Top-Position im Unternehmen.

Weniger Chancen hingegen dürften die beiden Kandidaten haben, die derzeit im Bereich Infrastruktur die zweite Führungsebene bilden: Peter Klugar und Thomas Türinger. Klugar leitet den "Geschäftsbereich Netz" mit 11.200 Mitarbeitern, er war zeitweise auch Geschäftsführer der Schieneninfrastrukturgesellschaft. Türinger ist Chef der Abteilung Planung und Engineering. Beide gelten als kompetente und fachkundige Kandidaten, haben aber einen entscheidenden Nachteil: sie stehen der SPÖ nahe. Türingers Ambitionen haben noch einen zusätzlichen Dämpfer erhalten: Verkehrsminister Mathias Reichhold beklagte sich kürzlich öffentlich über die Qualität der Planungsunterlagen aus seiner Abteilung.

Keine schlechte Position hat dagegen der einzige verbliebenen Kandidat von außerhalb des Unternehmens: Thomas Necker. Der Vorstand von Alcatel Austria paßt sowohl von der politischen Farbenlehre (ÖVP), als auch von seinem Werdegang - er war in der Ära Draxler bei den ÖBB. Sein damaliger Chef ist übrigens jetzt auch sein härtester Konkurrent um den Vorstandsjob: Alfred Zimmermann.

Geklärt ist inzwischen die Nachfolge des stellvertretenden Aufsichtsratspräsidenten Heinz Dürr: Wienerberger-Generaldirektor Wolfgang Reithofer zieht ins Aufsichtsratspräsidium ein.

Daß die ehemalige Verkehrsministerin Monika Forstinger in eine ÖBB-Position gehievt werden könnte, hat sich dagegen endgültig als leeres Gerücht erwiesen. Die glücklose Kurzzeit-Ministerin drückt wieder die Schulbank: Sie startet dem Vernehmen nach eine Ausbildung an der noblen Managerschmiede Fontainebleau.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.