Der Vodafone-Boss, bekannt durch exzessive Expansionspolitik, zieht sich Mitte 2003 zurück. Nachfolger beim weltgrößten Mobilfunkbetreiber wird Arun Sarin.
LONDON (reuter). Zuerst mußte Ron Sommer bei der Deutschen Telekom seinen Sessel räumen, knapp danach erwischte es Michel Bon bei France T©l©com. Jetzt verläßt Chris Gent die Spitze von Vodafone - freiwillig. Er übergibt Mitte 2003 die Führung an den Chef der US-Telekomfirma Accel-KKR Telecom, Arun Sarin, der vor der Fusion mit Vodafone Airtouch führte.
Gent, der mit seinem extremen Expansionskurs Vodafone zum weltgrößten Mobilfunkanbieter machte, wurde vor allem durch die Übernahmeschlacht um Mannesmann berühmt. Der 170-Mrd.-Euro-Deal machte den 54jährigen nicht nur zum Ritter, er galt auch in Analystenkreisen als Superboss, dem alles gelingt. Spätestens als Gent im Kampf um die französische Cegetel verlor, bekam das Superman-Image Risse. Schon zuvor war Gent mit seinem Jahressalär von 6,9 Mill. Pfund ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, zumal Vodafone im Geschäftsjahr 2001/02 das operative Ergebnis um 44 Prozent steigerte, massive Abschreibungen für marode Töchter jedoch einen Vorsteuerverlust von 22 Mrd. Euro brachten.
Die Ernennung Sarins sei Teil eines "sorgfältig orchestrierten Nachfolgeplans", teilte Vodafone-Chairman Lord MacLaurin am Mittwoch mit. Gent habe unter keinerlei Druck gestanden und bereits früher den Wunsch geäußert, Mitte 2003 in Pension zu gehen. An den Börsen löste das Ausscheiden von Gent Überraschung aus. Der Aktienkurs fiel zeitweise um drei Prozent. Damien Maltarp von der Banc of America äußerte sich hinsichtlich des Zeitpunkts von Gents Rücktritt skeptisch. "Er ist der Chef eines der größten Unternehmen der Welt, er genießt einige Anerkennung, und Vodafone hat gute Ergebnisse vorgelegt, also warum tritt jemand zurück, wenn es eigentlich gut läuft? Ich frage mich, ob er etwas weiß, was ich nicht weiß", erklärte Maltarp. Für einige andere Experten ist die Wahl des Nachfolgers eine Überraschung.
Der 48-jährige Sarin soll mit 1. April zu Vodafone wechseln und bei der Hauptversammlung am 30. Juli 2003 Gents Posten übernehmen.
Während Gent wegen seines Rekordgehalts inklusive Bonus für den Mannesmann-Deal ausgesorgt hat, verläßt der unter dem Druck von Rekordverlusten zurückgetretene Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, Lukas Mühlemann, den Finanzkonzern ohne Abfindung.