Die 77 Betriebe des [micro]electronic cluster wollen unter dem Kürzel "me2c" gemeinsam Geschäfte anbahnen.
WIEN/VILLACH. Der Hightech-Cluster rund um den Technologiepark Villach geht in die Offensive. Der Freitagabend gewählte neue Vorstand gab der [micro]electronic cluster GmbH grünes Licht, auf dem Weltmarkt im Namen der Mitglieder unter der gemeinsamen Marke "me2c" operativ tätig zu werden.
Der neue Vorstandsvorsitzende, Franz Georg Wallensteiner von Confineon will durch die Ausweitung des Cluster-Einzugsgebiets auf die umliegenden Bundesländer sowie später auf Oberitalien und Slowenien weitere Geschäftschancen schaffen. Im Vorstand sind alle Leitbetriebe wie Austria Microsystems (AMS), Infineon, Legrand, SEZ, Wild (ein Unternehmen der Privatstiftung des Industriellen Liaunig) sowie Siemens Kärnten vertreten. Besonders unterstützen will Wallensteiner die Klein- und Mittelbetriebe (mehr als 50 Prozent der 77 Mitgliedsunternehmen).
Neuer Boom in Sicht
Der scheidende Vorstand Franz Gruber gab die Zahl der im ersten Jahr neu geschaffenen Arbeitsplätze mit 700 an. Gegenwärtig setzen die Cluster-Mitglieder mit mehr als 7000 Mitarbeitern (fast 2300 davon Infineon Villach) jährlich rund 730 Mill. Euro (10,05 Mrd. S) um. Dieser Tage sprach Dietmar Schultschik von der Niederlassung des französischen Herstellers Legrand von rund 200 offenen Stellen im Cluster.
Die Wiederbelebung der Aktivitäten scheint genau zum richtigen Zeitpunkt zu erfolgen: Beinahe allen Zielmärkten des Clusters werden in der zweiten Jahreshälfte wieder Zuwachsraten vorausgesagt. Der Mobilfunk, der nicht nur für Handys, sondern auch für Netzwerkkomponenten Elektronikbauteile braucht, soll heuer nach dem Rückfall des Vorjahres dank der Übertragungstechnik GPRS und der nächsten Generation UMTS um rund zehn Prozent (von weltweit 380 auf rund 420 Millionen Geräte) zulegen. Ein neuer Boom wie bis zum Jahr 2000 wird dann für 2003 erwartet. In der im Vorjahr geschrumpften PC-Branche sehen Experten vor allem bei Unternehmen starken Nachholbedarf, nachdem infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 viele Investitionen verschoben worden sind. Noch dynamischer soll der Markt für digitales Fernsehen wachsen.
Auch in diesem Bereich könnten bald Neuerungen aus den "Silicon Alps" (Dachmarke der Kärntner Hightech-Initiativen) kommen. Der deutsch-schweizerische Konzern Micronas hat erst im Herbst 2001 seine Halbleiterentwicklung im Technologiepark Villach angesiedelt. Micronas hat Anfang Jänner bei der weltgrößten Unterhaltungselektronik-Messe CES im US-Spielerparadies Las Vegas für Aufsehen gesorgt: Er stellte gemeinsam mit dem französischen Thomson-Konzern ein Kopierschutzsystem für digitales TV vor.
Die Aussichten praktisch aller Hersteller von Chips und elektronischen Bauteilen werden von Analysten positiv bewertet - wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Die Experten von Credit Suisse First Boston (CSFB) empfahlen soeben die Aktien von 21 Unternehmen der Branche zum Kauf, darunter Intel, AMD, STMicroelectronics, Thomson und den Siemens-Spin-Off Epcos. 19 Aktien wurden auf "Halten" gesetzt. Allerdings war CSFB noch nicht völlig euphorisch: Mit Soitec war nur ein einziger Hersteller "strong buy". Siehe auch S. 17