Weniger Aufträge von Privaten und die Kreditvergabe-Richtlinien nach Basel II erweisen sich als die größten Probleme für die Baubranche.
WIEN. Mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten rechnet die Baubranche. Gab es im Vorjahr noch 60.000 Arbeitslose, so ist heuer mit mindestens 70.000 arbeitslosen Bauarbeitern - bei 250.000 Beschäftigten in der Branche - zu rechnen. "Auch einen Rekordwert von 100.000 will ich nicht ausschließen", sagt Günther Tschepl, der Geschäftsführer der Bundesinnung des Baugewerbes.
Eine Untersuchung des Gläubigerschutzverbandes Creditreform zeigt, daß die Bauwirtschaft jene Branche ist, die am stärksten Personal abbauen will. Während insgesamt 17 Prozent der Betriebe neues Personal aufnehmen wollen, sind es am Bau nur acht Prozent. Dagegen wollen 45 Prozent der Baufirmen Jobs abbauen - gegenüber 21 Prozent in der restlichen Wirtschaft.
Die Auftragsentwicklung ist sowohl regional als auch von den Branchen her unterschiedlich. Während der Tiefbau aufgrund der Tätigkeit der öffentlichen Hand recht gut läuft, agieren private Bauträger recht zurückhaltend. Vor allem der Wohnungsneubau und die Sanierung sind deutlich zurückgegangen.
Bundesinnungsmeister Johannes Lahofer hofft auf Impulse aus der Politik. Die Wohnbauförderung solle beibehalten werden, so sein Wunsch an die neue Bundesregierung. Außerdem solle die Sanierung durch eine Senkung der Mehrwertsteuer angekurbelt werden.
Die Bauindustrie ist mit der Auftragsentwicklung gar nicht so unzufrieden. Mehr Sorgen bereite die Preisentwicklung, so Horst Pöchhacker, Sprecher des Verbandes der Industriellen Bauunternehmen. Die Gewinnspanne sei im letzten Jahr wieder eher geringer geworden.
"Basel II wirkt schon"
Größtes Problem für die Baubranche sind aber laut Pöchhacker die Kreditvergaberichtlinien nach Basel II, die zwar erst in einigen Jahren in Kraft treten, aber jetzt schon zu einer Veränderung der Vergabepraxis gesorgt habe. Die Baufirmen müßten nun deutlich höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen. Und dies treffe nicht nur die kleinen Unternehmen, sondern auch die Großen der Branche.
Pöchhacker sieht darin aber auch einen Vorteil: Die Strukturbereinigung der Branche werde rascher vor sich gehen. "Wenn diejenigen, die schleudern, keine Kredite mehr bekommen, hat Basel II auch einen positiven Effekt."