Bilanzschwüre: Stunde der Wahrheit für US-Unternehmensbosse fällig

Die SEC will damit das Vertrauen der Anleger wieder herstellen.

NEW YORK (apa, dpa). Für die Bosse und Finanzchefs der US-Wirtschaft schlägt die Stunde der Wahrheit:  Bis Mittwoch abend mußten die größten amerikanischen Aktiengesellschaften mit mehr als 1,2 Mrd. Dollar (1,225 Mrd. Euro) Umsatz erstmals "nach bestem Wissen" beschwören, daß der letzte Jahres- und Quartalsbericht sowie andere relevante Dokumente ihrer Firmen wahr sind. Gibt es Änderungen, müssen sie diese genau erläutern.

Anleger-Vertrauen soll wiederhergestellt werden

Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC will nach der Serie von Buchführungs- und anderen Unternehmensskandalen vom Energiehändler Enron bis hin zum Telekomriesen WorldCom mit der Bilanzschwur-Aktion das schwer angeschlagene Vertrauen der Investoren in die Integrität der US-Unternehmen und ihrer Bilanzen wieder herstellen. Die Aktien der Skandalfirmen sind durch die Bilanzmanipulationen und Buchführungsbetrügereien abgestürzt und haben die Investoren hunderte von Milliarden Dollar gekostet.

947 Unternehmen fallen unter neue Regelung

Bis Mittwoch früh hatten 344 Unternehmensbosse und ebensoviele Finanzchefs den Bilanzwahrheits-Eid geleistet und bei der SEC eingereicht. Dazu zählen unter anderem die Bosse von Großkonzernen wie Bank of America, Boeing, Citigroup, DuPont, Eastman Kodak, Ford, Intel, Lockheed Martin, Merrill Lynch, Xerox und Walt Disney. Insgesamt müssen die Spitzenmanager von 947 US-Konzernen ihre beschworene und notariell beglaubigte Erklärung bei der SEC abgeben. Stellt sich hinterher heraus, daß die Bosse trotz ihrer eidesstattlichen Erklärung wissentlich gelogen und von falschen Bilanzzahlen gewußt haben, drohen ihnen hohe Gefängnis- und Geldstrafen.

Einigen Firmen werden Anordnung nicht Folge leisten

Bis Mittwoch abend waren die Erklärungen von insgesamt rund 740 Firmen fällig, die auf Kalenderjahr-Basis bilanzieren. Die anderen, deren Geschäftsjahre zu anderen Terminen enden, haben mit der Einreichung Zeit bis ihre regulären Geschäftsberichte bei der SEC fällig sind. Einige Firmen wie WorldCom, Qwest Communications und CMS Energy, haben angekündigt, daß sie der Anordnung nicht Folge leisten werden. Stattdessen wollten sie Erklärungen abgeben, warum sie den Termin nicht einhalten können.

Weitere Maßnahmen folgen

Allerdings ist die jetzige SEC-Aktion erst der Auftakt. Sie betraf nur die größten US-Konzerne. Kurz nach der SEC-Anordnung hatte der Kongreß jedoch ein neues Bilanzbetrüger-Gesetz verabschiedet. Es schreibt unter vielen anderen Auflagen die Bilanz-Zertifizierung durch die Unternehmens- und Finanzchefs aller an US-Börsen notierten Aktiengesellschaften vor. Damit geraten auch bald die Spitzenmanager von mehr als 1.300 ausländischen Gesellschaften in Zugzwang, deren Aktien an US-Börsen gehandelt werden, darunter viele deutsche.

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