Die Vorstandschefs der US-Konzerne zittern um Options-Milliarden

Die Gagen der US-Spitzen-Manager schrumpfen heuer stark, weil Aktienoptionen weniger wert sind. Hungern müssen die Konzernbosse trotzdem nicht.

WASHINGTON. Die Zahlen, die letztes Jahr über die "Entschädigung" (compensation) der US-Spitzenmanager erschienen, erregten Aufsehen: John Reed, der Chef der Citigroup, trug 293 Mill. Dollar (337 Mill. Euro/4,6 Mrd. S) nach Hause, sein Kollege Sanford ("Sandy") Weill, der Reed nach einem Machtkampf als Citigroup-Chef abgelöst hatte, schleppte 225 Millionen ab, Gerald Levin, der Chef von AOL Time Warner, strich 164 Millionen ein, John Chambers, der Chef von Cisco, 157 Millionen, und Dennis Kozlowski, der Boss von Tyco International, 125 Millionen.

Jack Welch kriegte zum Abschluß seiner 20jährigen Regentschaft an der Spitze von General Electric 122 Millionen Dollar, und Steve Jobs, der nach seiner Rückkehr zu Apple auf ein Salär verzichtet hatte, erhielt als Bonus einen "Gulfstream"-Privatjet im Wert von 90 Millionen. Im Durchschnitt bekamen die "CEO's" (Chief Executive Officer, Vorstandschef) der 365 größten US-Konzerne im Jahr 2000 nach Berechnungen der Firma "Standard & Poor's Institutional Market Services" "Entschädigungen" von 13,1 Mrd. Dollar.

Die 20 höchstbezahlten Chefs trugen durchschnittlich 117 Millionen nach Hause. Im Durchschnitt war der CEO-Lohn 531mal so hoch wie der Lohn der US-Arbeiter (24.500 Dollar pro Jahr). Pro Tag sackten die CEO's 50.000 Dollar ein (wenn man annimmt, daß sie fünf Tage in der Woche zur Arbeit gingen). Und seit 1991 sind die Bezüge der US-Konzernchefs um mehr als das Fünffache gestiegen.

"Bezahlt" ist ein irreführender Ausdruck. Denn in den Zahlen von Standard & Poor's ist auch der Gewinn enthalten, den die Konzernchefs dank der Ausübung von Optionen erzielten. Reed, Chambers, "Oracle"-Chef Ellison und viele andere an der Spitze der Liste verdankten ihre Fischzüge der Ausübung von Optionen.

Drei Viertel aus Optionen

Diese Gewinne haben mit dem jährlichen Lohnpaket freilich wenig zu tun. Nimmt man nur das Gehalt her, wäre die durchschnittliche Bezahlung der 365 wichtigsten US-Konzernchefs letztes Jahr wesentlich niedriger ausgefallen. Denn 75 Prozent der Bezüge stammten aus der Ausübung von Optionen, und ein paar Glückstreffer drückten den Durchschnitt nach oben.

Dieses Jahr dürfte der Gewinn aus realisierten Aktienoptionen um bis zu ein Drittel schrumpfen, schätzt Ira Kay, Salär-Experte der Firma Watson Wyatt Co.

Aber Tränen vergießen muß man für die US-Manager kaum. Das Schrumpfen der Optionsgewinne habe überhaupt nichts zu bedeuten, meint Charles Peck, der Salär-Experte des "Conference Board", denn es handle sich ja nur um Papier-Verluste. Aktienoptionen haben im allgemeinen eine Ausübungsfrist von zehn Jahren. Die CEO's haben also noch lange Zeit, ihre Optionen zu versilbern. Der Wert der Optionen, der den Behörden gemeldet werden muß, wird zudem sehr konservativ kalkuliert. Denn das so genannte "Black-Scholes"-Modell, das für die Bewertung verwendet wird, ergibt im Durchschnitt nur einen Wert von etwa 30-35 Prozent des Aktienkurses. Das Modell nimmt also an, daß die Börse langfristig sinkt, nicht steigt.

Die Börsenbaisse könnte zudem dazu führen, daß die CEO's dieses Jahr mehr Optionen zugeteilt erhalten, sagt Peck. Diese Gewinne werden, wenn überhaupt, erst in ein paar Jahren in der Statistik auftauchen.

Zudem ist jetzt die Tendenz aufgekommen, die Grundsaläre und "restricted share grants" zu erhöhen. "Restricted shares" sind Aktien, die man den Topmanagern gratis zuteilt, sofern sie eine gewisse Zeit (meist drei bis fünf Jahre) bei der Firma bleiben. Aktienoptionen seien bei den Managern ohnehin nicht sehr populär, sagen die Experten.

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