Lukoil: Moskau preist Öl-Riesen zum Kauf an

Rußland verkauft fünf Prozent an Lukoil, dem zweitgrößten Öl- und Gaskonzern des Landes mit starkem Expansionsdrang.

WIEN (bloomberg/schell). Der russische Staat zieht sich weiter aus dem Öl- und Gaskonzern Lukoil zurück. Insgesamt wechseln in den nächsten zwei Wochen 5,9 Prozent der Lukoil-Aktien den Besitzer, womit sich der Staatsanteil auf rund acht Prozent verringern wird. Größter Aktionär bleibt die niederländische ING Bank, die im Auftrag anonymer Investoren 51 Prozent der Anteile hält.

Rußland dürfte mit dem Aktienverkauf bis zu 800 Mill. Euro in seine Kassen spülen.

Ob Moskau nun angesichts der tristen Börsen-Stimmung und der bereits relativ hohen Ölpreise den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, bleibt fraglich. Die Investmentbank Credit Suisse First Boston empfiehlt die Aktie in einer aktuellen Analyse jedenfalls zum Kauf, hat das Kurssteigerungspotential für die nächsten zwölf Monate aber auf zwölf Prozent zurückgeschraubt. Kritisiert wird, daß Lukoil hinsichtlich seiner Ertragskraft klar hinter dem Erzrivalen Yukos liegt.

Im Rücksicht der Politik?

Lukoil zählt ohne Zweifel zu den wichtigsten russischen Unternehmen. So fördert der größte integrierte Öl- und Gaskonzern des Landes jährlich ein Viertel des in Rußland geförderten Erdöls zutage. Auffallend ist der Expansionsdrang in Richtung Westen. Es gibt kaum ein Privatisierungsverfahren, an dem die Russen nicht mitmischen. Derzeit hat Lukoil gute Karten im Rennen um den kroatischen Branchenkollegen Ina und die griechische Hellas Petroleum. Bei den Privatisierungen in Mittel- und Osteuropa treten die Russen auch immer wieder gegen die OMV an.

Erfolge konnte Lukoil bereits in den USA einfahren. Im Vorjahr wurde Getty-Petroleum übernommen, und damit 1300 Tankstellen an der Ostküste. Ungefähr doppelt soviele Stationen betreibt Lukoil in Rußland und im Baltikum. Darüber hinaus sucht der Konzern seit Jahren zusammen mit dem US-Pendant Conoco im Norden Rußlands nach Öl und Gas.

Der Konzern entstand 1992 aus der Fusion der Öl- und Gasproduzenten Langepasneftegaz, Uraineftegaz und Kogalymneftegaz. Daher auch der Firmenname, der sich aus den Initialen dieser drei Konzerne zusammensetzt. Kurz nach dem Börsegang im Jahr 1994 schluckte Lukoil neun russische Branchenvertreter, zwei Jahre später folgte der Einstieg ins Mediengeschäft: 41 Prozent an der einflußreichen russischen Zeitung "Iswestia" wurden übernommen.

Insidern zufolge verlor die Lukoil-Führung auch nie die Tuchfühlung zur Politik. Eine traditionell enge Beziehung: So verkaufte Rußlands Regierung vor Jahren neun Prozent der Lukoil-Anteile an die in Zypern ansässige Reforma Investment. Die steht wiederum teilweise im Besitz des Lukoil-Chefs Vagit Alekperov. Der Anteil soll zur Okkasion von 200 Mill. Dollar an die Investmentbank gegangen sein. Kritiker unterstellten dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin, Alekperov beim Kauf der Anteile unterstützt zu haben, um sich im Gegenzug die Schützenhilfe des einflußreichen Geschäftsmanns zu sichern.

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