Olympic: Regierung startet einen letzten Wiederbelebungsversuch

Die Privatisierung der maroden griechischen Staats-Fluglinie ist gescheitert, es gilt , nicht nur Verluste, sondern auch ein miserables Image wegzubringen.

ATHEN. Irgendwie ist die Geschichte nicht neu: Ein kleines Land mit einer nationalen Fluglinie, die seit Jahren tiefrote Zahlen schreibt . . . Doch bei der griechischen Olympic Airways (OA) scheint es noch schlimmer zu sein. OA hat nicht nur einen riesigen Schuldenberg angehäuft, sondern auch einen miserablen Ruf aufgrund von Verspätungen, Pannen und Streiks.

Regierungssprecher Christos Protopapas erklärte der "Athens News": "Wir sind in einem sehr entscheidenden Stadium. Wir sind im letzten Stadium. Wir suchen eine lebensfähige Lösung." Dieses wenig- und gleichzeitig vielsagende Zitat erfolgte noch vor dem Höhepunkt in der Leidensgeschichte der Olympic. Denn der letzte Interessent für eine Privatisierung, ein australisches Konsortium, hat das nötige Kleingeld von 102 Mill. € nicht aufgebracht, um es wie vorgesehen auf ein Treuhandkonto überweisen zu können.

Nun will die Regierung selbst Olympic retten. Die Fluggesellschaft soll geteilt werden. Die Bereiche Catering, Bodendienste, Ticketverkauf und Fracht sollen von einer neuen Olympic Airways getrennt werden, die nur noch Passagiere befördert. Im Gespräch ist auch die Variante einer Trennung in eine nationale und eine internationale Fluglinie. Von den 9000 Jobs sollen 2000 abgebaut werden. Die Regierung wünscht auf jeden Fall den Erhalt "einer griechischen Fluggesellschaft, die griechische, europäische und regionale Bedürfnisse befriedigt". Besitzen will die Regierung nur 49 Prozent. Die Suche nach dem Mehrheitspartner und nach privatem Kapital von 100 bis 150 Mill. € soll Credit Suisse First Boston unterstützen. Die EU hat Athen bereits davor gewarnt, noch mehr Geld in die marode Airline zu stecken und prüft, ob Beihilfen mißbräuchlich verwendet wurden. Die oppositionelle Nea Dimokratia fragt ohnehin, wohin die Billionen gesickert sind, die die Regierung in den vergangenen acht Jahren in "Revitalisierungsprogramme" gesteckt habe.

Mit Olympic hat die Regierung ein großes Sorgenkind. Zu viele Pannen haben sich in der letzten Zeit angehäuft, nicht zuletzt bei der Vorbereitung auf die olympischen Spiele 2004 in Athen. Dabei soll die Airline, die die olympischen Ringe sogar am Heck trägt, eine wichtige Funktion bei den Spielen erfüllen. Da die Bettenkapazität in Athen und Attika nicht ausreicht, soll Olympic auf Inseln ausgelagerte Olympiagäste täglich in die Hauptstadt fliegen. Für die allzeit kämpferische Gewerkschaft eine gute Gelegenheit, die Regierung mit Streikdrohungen unter Druck zu setzen. Den flotten Olympic-Sanierer Rigas Doganis, der als einziger Vorstand schwarze Zahlen schaffte, hat die Gewerkschaft schon aus dem Amt gedrängt.

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