Business Talk: Weichenstellung für die Einhebung der Lkw-Maut

Der Auftrag für die Errichtung des Mautsystems wird vergeben. Beobachter erwarten mit Spannung, welches technische System zum Zug kommt.

Wenn heute, Freitag, die Autobahn-Betreibergesellschaft Asfinag bekannt gibt, welches der drei verbliebenen Konsortien den Auftrag für die Lkw-Maut erhält, geht eine Phase intensiven Lobbyings zu Ende. Bis zum letzten Tag versuchten die Anbieter, ihr System entsprechend zu präsentieren. Beobachter meinen, die Entscheidung werde auch zeigen, wessen Lobbying am besten funktioniert habe.

Kern der Diskussion ist, welches technische System sinnvollerweise zum Einsatz kommen sollte. Jahrelang hatte die Asfinag auf ein relativ antiquiertes System gesetzt, nämlich auf den Bau von Mauthütten, an denen die Maut händisch bezahlt werden sollte. Vor eineinhalb Jahren hatte der damalige Verkehrsminister Michael Schmid die Ausschreibung gestoppt und auf ein vollelektronisches System umgestellt. Aber auch für dieses gibt es zwei Varianten: Abbuchung mittels Mikrowelle, wie es von den Konsortien rund um die italienische Autostrade und um die österreichische Baufirma Strabag vorgesehen ist. Oder ein System, das auf GSM-Technologie und Ortung der Fahrzeuge via Satelliten aufbaut. Angeboten wurde dieses System von einem Konsortium rund um Siemens sowie von der DaimlerChrysler-Tochter Debis. Letztere wurden allerdings aus dem Bieterverfahren ausgeschlossen.

Beide Systeme haben etwas für sich. Während die Mikrowelle in vielen Ländern angewandt wird und Stand der Technik ist, wird dem GSM-System eine größere Zukunft vorausgesagt. Vor allem zusätzliche Telematik-Dienste gelten als Plus für die neue Technologie, die auch in Deutschland eingeführt wird.

Für die Asfinag ist die technische Frage nicht das entscheidende Kriterium: Die Wahl werde auf jenes System fallen, das den höchsten Ertrag verspricht, so ein Asfinag-Sprecher.

Ausgewogen ist das Verhältnis, was die Lobbying-Aktivitäten betrifft. Siemens hat sich taktisch geschickt unter anderem die OMV und die Kronen Zeitung ins Konsortium geholt und den früheren max.-Manager Hans Jörg Tengg als "Konsortialführer". Auf der anderen Seite steht die österreichische Technologiefirma Kapsch. Sie ist zwar in keinem Konsortium vertreten, würde aber die beiden anderen mit Mikrowellen-Technologie beliefern. Und Kapsch ist seit jeher bekannt für effektvolles Lobbying hinter den Kulissen.

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