Geld-Regen durch "versickerte" Schillinge

Rund 300 Millionen Euro ersparte sich der Finanzminister, weil nur die Hälfte der sechs Milliarden Schillingmünzen bisher in Euro umgetauscht wurden.

WIEN (sca). "Wir rechnen damit, daß rund drei Milliarden Schillingmünzen in irgendwelchen Brunnen und Sparstrümpfen für immer versickert sind", erklärte Dietmar Spranz, Generaldirektor der Münze Österreich, anläßlich der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Dienstag in Wien. Dieser Umstand beschert nicht nur der Münze Österreich einen Geldregen, sondern in weiterer Folge auch dem Finanzminister. Einen Betrag von rund 300 Millionen Euro, den sie nicht für den Rückkauf der versickerten Schillingmünzen einsetzen wird müssen, wird sich die Münze ersparen. Die 100-Prozent-Tochter der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), führt mehr als 90 Prozent ihres Gewinnes an ihre Mutter ab, deren Gewinn wiederum zum Großteil ins Bundesbudget fließt.

Ein Teil dieses Effekts ist bereits in die Bilanz 2001 der Münze Österreich eingeflossen. Sie steigerte 2001 ihr Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von sechs Mill. Euro auf 59,7 Mill. Euro. Für 2002 erwartet die Münze ein EGT von fast 300 Mill. Euro. Das voraussichtliche Ausmaß der nicht umgetauschten Schillingmünzen entspreche ziemlich genau den ursprünglichen Erwartungen der Münze Österreich, sagte Vorstandsdirektor Kurt Meyer. Man erspare sich dabei nicht nur den Rückkauf dieser Münzen, sondern auch ihre Verschrottung.

Laut Meyer wurden bis zum 31. Mai im Münzlogistikzentrum am Freudenauer Hafen rund 2,7 Mrd. Schilling- und Groschenmünzen im Gegenwert von 328 Mill. Euro zu Schrott verarbeitet und weiterverkauft. Der dabei erzielte Schrottpreis lag bei 30 Mill. Dollar.

Gewicht wie der Eiffelturm

Im Gegenzug dazu wurden von November 1998 bis zum Jahreswechsel 2001/02 rund 1885 Mrd. Euromünzen mit einem Gewicht von insgesamt 9051 Tonnen geprägt. Das entspricht fast exakt dem Gewicht des Eiffelturms. Das Interesse an Sonderprägungen habe durch die Euro-Umstellung allgemein zugenommen. Nur für den Wiener Philharmoniker war das Jahr 2001 kein goldenes. Die verkaufte Menge in Österreich sank von 265.700 auf 77.100 Unzen.

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