Als das Schicksal der rot-schwarzen Koalition am seidenen Faden hing

Die CA-Privatisierung war eine fast unendliche Geschichte und endete mit einem politischen Eklat.

Im Frühjahr 1991 fiel der offizielle Startschuß zur CA-Privatisierung. Das Parlament beschloß ein Gesetz, durch das der Finanzminister zum Verkauf der CA-Mehrheit ermächtigt wurde. Im April 1993 trat der erste "Freier" auf den Plan: Der Raiffeisensektor wollte die CA kaufen und sie mit der RZB verschmelzen. Die CA reagierte entsetzt. Weil Raiffeisen seine möglichen Partner bei dem Deal nicht nennen wollte, brach Finanzminister Lacina die Verhandlungen ab.

Nicht zum Zug kamen auch die beiden ausländischen Interessenten Credit Suisse und Allianz-Versicherung. Beide bekamen mehr als deutlich zu spüren, daß ihr Angebot bei CA-lern und maßgeblichen politischen Kreisen Österreichs nicht erwünscht war. Sogar Notenbank-Chefin Maria Schaumayer machte diesbezüglich aus ihrem Herzen keine Mördergrube. . .

Im Frühjahr 1994 fand sich das Österreich-Konsortium zusammen: Namhafte heimische Industriefirmen (Miba, Rauch usw.), dazu Erste Bank und EA-Generali-Versicherung wollten die Creditanstalt kaufen. Dieser Gruppe stand die CA-Führung durchaus wohlwollend gegenüber.

1995 rollte Kurzzeit-Finanzminister Andreas Staribacher den CA-Verkauf neu auf. Es wurden Inserate in der "Wiener Zeitung" und in der "Financial Times" geschaltet. Bald darauf platzte die Koalition, erst die neu formierte Regierung, in der Viktor Klima das Finanzressort übernahm, ging das Langzeit-Vorhaben wieder an.

Im Sommer 1996 tauchten erstmals Gerüchte auf, wonach die Bank Austria hinter den Kulissen eine Übernahme der CA plane. Die ÖVP steckte damals offenbar den Kopf in den Sand, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Noch im November 1996 bezeichnete BA-Chef Gerhard Randa Gerüchte, seine Bank wolle die CA übernehmen, als "Faschingsscherz" - was er sich wohl selbst bis ans Lebensende nicht verzeihen wird . . .

Anfang Dezember 1996 geht dann die Bombe hoch: Die BA - von hochnäsigen CA-lern geringschätzig als "große rote Stadtsparkasse" bezeichnet - gibt offiziell ihr Angebot bekannt. Sie bringt damit die rot-schwarze-Koalition unter Kanzler Vranitzky fast zum Platzen. Die ÖVP schäumt, kann den Deal aber letztendlich ebensowenig verhindern wie die CA-Belegschaft, die gemeinsam mit Schmidt-Chiari gegen die BA-Pläne demonstriert.

Zwar lagen dem Finanzminister Ende Dezember drei Angebote für die CA-Mehrheit vor: Sowohl das Österreich-Konsortium als auch die Wlaschek-Stiftung boten aber deutlich weniger als die Bank Austria.

Am 12. Jänner 1997 um 1.25 Uhr verkündeten Kanzler Franz Vranitzky und Vizekanzler Wolfgang Schüssel den im Bundeskanzleramt wartenden Journalisten den Verkauf der bis dahin in Bundesbesitz befindlichen CA-Mehrheit an die "rote" Bank Austria. Die ÖVP konnte zwar noch ein Koalitionsübereinkommen durchdrücken - das berühmte 17 Punkte-Papier, auf dem BA-Chef Randa auf der "falschen", nämlich der ÖVP-Seite, mit unterschrieb. Das darin enthaltene Fusionsverbot sicherte der CA zumindest für fünf Jahre die Eigenständigkeit. Das Vertrauensverhältnis der ÖVP zum Regierungspartner war aber ebenso nachhaltig zerstört wie in den Augen vieler bürgerlicher Wähler die Wirtschaftskompetenz der Volkspartei.

In der SPÖ hingegen herrschte eitel Wonne. Und Viktor Klima konnte für das Budget nicht nur mehr als 17 Milliarden Schilling einstreifen, der erfolgreich ausgehandelte CA-Deal brachte ihm nur Wochen später auch die Kanzlerwürde.

Vergleichsweise ruhig ging dagegen im Juli 2000 der nächste Banken-Deal vonstatten: Der vorab informierte Bürgermeister Michael Häupl meldete sich aus dem Toskana-Urlaub nicht einmal zu Wort, als die BA (ihr größter Aktionär war die Gemeinde-Wien-nahe AVZ) von der HypoVereinsbank übernommen wurde . . . dom.

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