Neue Ehrlichkeit im Mobilfunk: "Karteileichen" werden eliminiert

Der Pro-Kopf-Umsatz löst die Kundenzahl als Maßstab für Erfolg der Handybetreiber ab.

WIEN (p. m.). Die Flaute auf dem Mobilfunkmarkt und der Zwang, angesichts der Milliardenschulden die Geschäftsmodelle anzupassen, zwingen die großen Handynetz-Betreiber zu einer "neuen Ehrlichkeit": Die Kundenzahl als Kennziffern für den Erfolg ist vom Pro-Kopf-Umsatz abgelöst worden. Dies gab das Marktforschungsunternehmen EMC im Vorfeld der heute, Dienstag, beginnenden Kongreßmesse 3GSM in Cannes bekannt.

EMC geht davon aus, daß im Vorjahr allein in Westeuropa 13,5 Mill. "Karteileichen" eliminiert wurden. Am radikalsten ging Vodafone vor. Der Konzern, zu dem auch Mannesmann in Deutschland gehört, klassifizierte in Großbritannien 2,1 Mill. Kunden mit voraus bezahlter (prepaid) Telephonkarte als inaktiv. Damit wurde der Kundenstock um 16 Prozent reduziert. Aber EMC warnt davor, bereits eine neue einheitliche Zählweise zu sehen: Alle Betreiber definierten "aktiv" anders.

Wie unsicher die Weiterentwicklung ist, zeigt sich anhand der Daten der Marktforscher, die nicht einmal in der Zahl der genutzten Handys einig sind. Laut Displaysearch besaßen Ende 2001 weltweit etwas mehr als 900 Millionen Menschen (rund 15 Prozent der Weltbevölkerung) ein Gerät. EMC hatte kurz vor Weihnachten prognostiziert, daß die Milliardengrenze knapp erreicht würde. Ovum nennt in der jüngsten Studie für das vergangene Jahr 400 Mill. verkaufte Handys, knapp mehr als ein Viertel davon in Westeuropa. Heuer soll die Gesamtzahl auf 511 Mill. steigen. Nach Schätzungen der Bank Credit Suisse First Boston (CSFB) wurden im Vorjahr aber nur 385 Mill. Handys verkauft. Heuer werde der Markt auf 415 Mill. Stück wachsen.

Nach Einschätzung des Siemens-Konzerns wird die Nachfrage nach dem Einbruch 2001 (auf rund 380 Mill. Geräte) wieder deutlich anziehen. Weltweit sei von einem Wachstum des Handy-Marktes von zehn bis 15 Prozent auszugehen, sagte Rudi Lamprecht, Vorstand der Siemens-Mobilfunksparte, der "Süddeutschen Zeitung".

Ähnlich divergierend sind auch andere Prognosen. Displaysearch sagt bis 2005 eine Steigerung des Anteils der Handy-Nutzer an der Weltbevölkerung (Penetration) von 24 Prozent voraus, Ovum ein Jahr später 27 Prozent (siehe Graphik). In Österreich steigt die Penetration laut Ovum heuer von 82 auf 87,4 Prozent. Damit läge Österreich an zweiter Stelle hinter Luxemburg (89,5 Prozent).

"i-mode" startet in Europa

DÜSSELDORF/DEN HAAG (afp). Der deutsche Mobilfunkanbieter E-plus bringt im März oder April den neuen Handy-Standard "i-mode" des japanischen Mobilfunkkonzerns NTT DoCoMo auf den Markt. In den Niederlanden und in Belgien soll KPN mobile, wie am Montag mitgeteilt wurde, im April starten. Im Gegensatz zu künftigen UMTS-Netzen setzt "i-mode" auf bestehenden Mobilfunk-Einrichtungen auf; erforderlich sind nur spezielle Handys.

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