Irak-Krieg: Die USA als einziger Sieger eines Regime-Wechsels?

Der Westen sieht in einem Irak ohne Saddam Hussein einen Öllieferanten, der für niedrige Preise sorgt. Die Opec-Nomenklatura wäre über ein liberaleres Bagdad alles andere als erbaut.

Während sich die Öffentlichkeit mit der Frage beschäftigt, ob der Irak nun tatsächlich über Vernichtungswaffen biologischer oder atomarer Natur verfügt, bewegt den Nahen Osten ein ganz anderes Thema. Die Ölproduzenten der Region gehen hinter gepolsterten Türen vor allem einer Frage nach: Was würde ein möglicher Regime-Wechsel in Bagdad für die Entwicklung der Ölpreise - und damit auch für den Verlauf der Weltwirtschaft - bedeuten?

Ein Thema, das auch in Washington mit brennendem Eifer erörtert wird. Der US-Masterplan ist nicht zuletzt darauf ausgerichtet, mit einem liberaleren Bagdad einen verläßlichen Öllieferanten zu gewinnen. Und zwar einen, der kräftig Öl auf die Märkte pumpt und so als Garant für moderate Preise auftritt. Kaum ein anderes Land hat aufgrund seiner großen Reserven an hochwertigem Rohöl derartig großes Potential wie der Irak.

Wer würde nun von einer irakischen Ölschwemme - und dem damit einhergehenden Preisverfall - profitieren, wer verlieren? Weite Teile der westlichen Welt sehen die USA als zentralen Gewinner. Klar ist, daß alle industrialisierten Länder auf bescheidene Ölpreise hoffen, so auch die USA. Allerdings ist deren Abhängigkeit von Erdöl aus dem Golf nur halb so groß wie jene Europas. Heuer werden die USA zehn Prozent ihres Bedarfs aus dem Mittleren Osten importieren, Europa hingegen mehr als 20 Prozent.

Nun angewidert auf die vermeintlich unmoralischen USA zu zeigen, scheint somit etwas heuchlerisch. Alle fünf Mitglieder des UN-Sicherheitsrates (USA, Großbritannien, Frankreich, Rußland und China) haben zudem große Ölgesellschaften, die von einer pro-westlichen Staatsführung im Irak begeistert wären, schreibt die "Washington Post". Auch George W. Bush soll in seinem Werben um Unterstützung immer wieder auf die großen Marktchancen im Irak hinweisen. Wenig ziehen dürfte diese Argumentation bei Frankreich und Rußland. Sie haben sich längst mit Bagdad arrangiert, während die US-Konzerne bislang ausgesperrt blieben.

Neue Mengen

Es mag in der aktuellen Situation zynisch klingen, aber einer der großen Gewinner eines westlicher orientierten Irak würde der Irak selbst sein. Allein durch die explodierende Zahl an Petrodollars, die ins Land strömten. Unbestritten ist aber auch, daß der Preis für diesen Segen für das Volk ein sehr hoher sein wird.

Das Potential ist ungeachtet dessen enorm. Derzeit werden im Zweistromland täglich 2,5 Millionen Barrel (zu 159 Litern) Öl gefördert, womit drei Prozent des weltweiten Bedarfs gedeckt werden können. Ölexperten zufolge ist es realistisch, die irakische Produktion durch weitreichende Modernisierungen in fünf Jahren zu verdreifachen. Dann zählte der Irak zusammen mit Saudiarabien, Rußland und den USA zu den dominanten Öl-Produzenten.

Der Irak und die Saudis würden sich auf Dauer in der Führungsgruppe halten können - im Gegensatz zu den USA und Rußland, deren Quellen früher versiegen werden. Unter irakischem Boden schlummern laut BP-Statistik 112 Mrd. Barrel Öl, die mit heutiger Technik wirtschaftlich zutage gebracht werden können. Das sind zehn Prozent der globalen Reserven. Nur die Saudis verfügen über noch höhere Vorräte.

In den USA wird nun davon ausgegangen, daß im Irak weitere 200 Mrd. Faß bislang unentdeckt blieben. Womit die Öl-Zukunft eine saudisch-irakische wäre. Eine Aussicht, die in Riad kaum für Begeisterung sorgen wird.


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