Finanzmarktaufseher: "Wir sind wie die Flugraumüberwachung"

"Presse"-Gespräch. Die Chefs der neuen Finanzmarktaufsicht wollen "die Stabilität des Finanzplatzes Österreich hochhalten".

WIEN. "Eine Garantie zu geben, daß wir jeglich Pleiten oder Krisen im Bankwesen verhindern können, wäre nicht seriös. Wir wollen Probleme aber möglichst früh aufspüren und dabei gemeinsam mit den Beaufsichtigten agieren." Andreas Grünbichler und Kurt Pribil, die seit 1. April die neue unabhängige Finanzmarktaufsicht (FMA) leiten, sehen es als ihre Aufgabe, "die Stabilität des heimischen Finanzplatzes hochzuhalten".

"Wir sind so etwas wie die Flugraumüberwachung, die muß auch da sein und wenn sie funktioniert, merkt keiner etwas davon" erläutert Grünbichler, der vor seine Berufung in die FMA Universitätsprofessor in St. Gallen war. Pribil kommt aus der Notenbank, mit der die FMA auch künftig intensiv zusammenarbeiten wird.

Zuständig ist die FMA für Banken, Versicherungen, Pensionskassen sowie das Wertpapiergeschäft, das schon bis jetzt von der Bundeswertpapieraufsicht überwacht wurde. Neue Aufgaben sind bereits absehbar: So ist die FMA für die Erteilung von Konzessionen an die im Zusammenhang mit der "Abfertigung neu" zu errichtenden Mitarbeitervorsorgekassen zuständig und wird vermutlich ab 2003 die neuen Immobilienfonds überwachen.

Mit den derzeit knapp 100 Mitarbeitern wird man nicht auskommen, zumal mit den neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) noch mehr Aufgaben auf die Bankenaufseher zukommen. Eine Aufstockung auf etwa 150 Mitarbeiter ist geplant. Zusätzlich sollen die bisher räumlich getrennten Abteilungen laut Pribil noch heuer an einem Standort zusammengeführt werden.

Generell wollen die beiden FMA-Chefs nicht primär mit Sanktionen (reichen im Extremfall bis zum Konzessionsentzug) vorgehen, sondern mehr mit Überzeugung und im Dialog wirken. Daß sie sich bei den Beaufsichtigten, die 90 Prozent des FMA-Budgets von heuer 15 Mill. € selbst zahlen müssen, nicht immer Freunde machen können, ist ihnen klar.

Von den rund 900 Banken in Österreich wird man nicht alle gleich intensiv unter die Lupe nehmen. "Natürlich werden wir uns um die Problemfälle kümmern. Aber auch wenn ein Institut übernatürliche Wachstumsraten hat, werden wir uns das genauer anschauen," meint Grünbichler. Die fünf heimischen Großbanken sollen "ständig begleitet" werden. Die dezentralen Sektoren (Raiffeisen, Volksbanken und Sparkassen) will man als Einheit betrachten und nicht jede kleine Kasse genau prüfen: "Wir wollen ja nicht an der österreichischen Bankenstruktur vorbei agieren. Aber wir werden uns auch nicht als Aufsicht von bestimmten Sektoren verabschieden."

Prüfen im Osten schwierig

Ein Problem stellt für die FMA die intensive Ostexpansion der heimischen Geldinstitute dar. Derzeit gibt es erst mit wenigen Ländern Abkommen, die eine Ausweitung der Prüftätigkeit auf die Osttöchter ermöglicht. Andere wichtige Länder wie Polen oder Kroatien fehlen. "Es geht derzeit nur bilateral oder gar nicht. Erst mit der EU-Osterweiterung wird sich dieses Problem von selbst lösen," erklärt Pribil.

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