Die Schieflage des US-Energiehändlers Enron wurde offenbar 1999 schon einmal aufgedeckt und verhinderte damals eine Fusion mit der E.On-Vorgängerin Veba.
NEW YORK/WASHINGTON (apa/reuters). Der deutsche Energie-Konzern Veba soll einem Bericht der "New York Times" zufolge bereits vor drei Jahren Kenntnis von der finanziellen Schieflage des im Dezember zusammengebrochenen Energiehandels-Konzerns Enron gehabt haben.
Wie das Blatt berichtete, hatte Veba 1999, vor dem Zusammenschluß mit der Viag zum Energiekonzern E.On, Fusionsgespräche mit Enron aufgenommen. Unüberwindliche Differenzen zwischen Deutschen und Amerikanern, aber auch die Vermutung, daß Enron statt einer "Fusion unter Gleichen" tatsächlich die Veba-Übernahme plante, führten offenbar früh zu Spannungen in den Verhandlungen. Darüber hinaus hätten Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse-Coopers Veba im Vorfeld darüber informiert, daß Enron durch komplexe Buchführung und Transaktionen Verbindlichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe aus den Büchern entfernt hatte. Da Enrons Verschuldungsgrad auf über 70 Prozent geschätzt worden sei, habe Veba schließlich die Fusionspläne aufgegeben.
Die Berater hätten ihre Informationen aus allgemein zugänglichen Quellen gewonnen. Neben Pricewaterhouse-Coopers waren auch andere Berater und Banken wie Goldman Sachs, Credit Suisse First Boston und Mc Kinsey in die Gespräche miteinbezogen.
Die Verhandlungen zwischen den beiden Energieunternehmen waren nichtsdestotrotz offenbar vergleichsweise weit gediehen. So stand bereits fest, daß der frühere Veba- und jetzige E.On-Chef Ulrich Hartmann die Führung des fusionierten Unternehmens übernehmen hätte sollen.