Versicherungen: Das große Knabbern an den Reserven

Städtische-Chef Günter Geyer rechnet im "Presse"-Gespräch damit, daß einige Versicherer heuer von den Bilanzierungserleichterungen Gebrauch machen werden.

WIEN. Wenige Wochen vor dem Jahreswechsel herrscht in der Versicherungsbranche Verunsicherung. Je nach dem, wie sich die Kurse bis dahin entwickeln, schaut die Bilanz der einzelnen Gesellschaften schlecht oder sehr schlecht aus. Günter Geyer, Chef des Branchenriesen Wiener Städtische, kann die Situation noch immer nicht einschätzen. "Es ist schwer, etwa Endgültiges zu sagen", so Geyer zur "Presse". Der Stand der Reserven schwanke aufgrund der volatilen Märkte zwischen Dienstag und Freitag um 20 Mill. Euro.

Experten gehen davon aus, daß aufgrund der massiven Kursverluste heuer einige Versicherungen von den erleichterten Bilanzierungsregeln Gebrauch machen müssen.

Dann müßte nicht der niedrige Wert zum Jahresende in der Bilanz angesetzt werden, sondern in der Hoffnung auf Erholung ein höherer. "Wir werden das im Notfall anwenden", so Geyer.

Die Verlust-Dimensionen sind enorm - so wie bei anderen großen Gesellschaften liegt der Abwertungsbedarf der Städtischen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Noch können die meisten ihre Reserven anzapfen, um die ohnehin bereits gekürzten Gewinnbeteiligungen der Lebensversicherungskunden zu bedienen. Wenn es allerdings noch ein Jahr bergab geht, könnte es für die ersten eng werden, meinen Experten.

"Alte" Anbieter wie etwa die Städtische oder auch Uniqa verfügen über hohe stille Reserven - im Gegensatz zu jüngeren Gesellschaften wie der s-Versicherung. Um diese aufzulösen, werden derzeit von vielen Versicherern Immobilien verkauft. "Das ist normal. Für solche Zeiten sind sie ja gedacht", beruhigt Geyer.

Neuordnung der Gruppe

Im Städtischen-Konzern selbst erfolgt derzeit eine Umstrukturierung. Die Bereinigung der Beteiligungen zwischen der Städtischen-Tochter Donau und der Erste Bank an der s-Versicherung ist vergangene Woche über die Bühne gegangen.

Nun steht noch die Zusammenführung von Union (gehört je zu einem Drittel der Städtischen, der BA-CA und der Ergo) und CA-Versicherung (Joint Venture aus Städtischer und BA-CA) aus. Beide Unternehmen verkaufen Lebenspolizzen über die HVB-Tochter BA-CA.

Der Deal hätte eigentlich bis Weihnachten fertig sein sollen. "Nun fehlt aber noch die endgültige Bewertung, der Anteils-Schlüssel und der neue Name", begründet Geyer die Verzögerung. Es bleibe aber eher bei der Marke Union als bei CA-Versicherung.

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