NTL-Kabel wird zum Sanierungsfall

60 Banken und 300 institutionelle Anleihegläubiger sollen der überschuldeten britischen Kabelgesellschaft NTL aus der Patsche helfen.

LONDON. Die Bilder flimmern, die Gläubiger zittern. Ein Schnappschuß der verzweifelten Situation der bis zu 18 Mrd. Dollar (20 Mrd. €/275 Mrd. S) verschuldeten britischen, nominell aber in den USA ansässigen, Kabelgesellschaft NTL Inc.

Das Unternehmen hat jetzt die Credit Suisse Boston (CSFB) damit beauftragt, als Verhandlungsführerin mit 60 institutionellen Kreditgebern und 300 großen Anleihegläubigern Gespräche über eine Refinanzierung des Unternehmens zu führen. NTL setzt dabei auf die volle Rückendeckung der Großaktionäre, der France Telecom (18 Prozent), der britischen Cable & Wireless (11 Prozent), des US-Telephonriesen Bell Atlantic (6 Prozent) und Microsoft (3 Prozent). Die restlichen 62 Prozent befindet sich in Streubesitz.

In Deutschland erreicht die NTL über ihre Tochtergesellschaft E-Kabel 1,3 Mill. Haushalte über Fernsehen und Radio. Über die Tochter Cablecom gelangen die Briten in gar 1,6 Mill. Haushalte in der Schweiz. Der hektische Aufkauf von immerhin elf Konkurrenten in Europa binnen zwei Jahren, darunter auch Kabel-TV und Breitband-Internetbetreiber in Frankreich, Irland und Schweden, ist einer der Gründe für die Finanznöte des Senkrechtstarters. In Großbritannien selbst versorgt NTL 1,8 Mill. Haushalte mit preiswerten Fernseh- Telephon- und Internetdiensten.

In den ersten neun Monaten 2001 sammelte das Unternehmen noch 3,33 Mrd. Dollar (3,7 Mrd. €/50 Mrd. S) an Verlusten ein. Erst Ende 2003, so eine NTL-Prognose, werde man mit dem Cash Flow aus den roten Zahlen heraus sein.

So lange können und wollen die Gläubiger aber nicht mehr warten. Auf einem Treffen von 100 NTL Führungskräften am vergangenen Freitag in Glasgow skizzierte NTL-Chef Barclay Knapp sein Sanierungskonzept. Dabei schwebt dem Bedrängten offenbar eine "strategische Partnerschaft" mit AOL Time Warner, dem US-Kabelriesen Liberty Media und/oder dem Softwarekonzern Microsoft vor.

NTL könne nur noch 8 Mrd. Dollar an Schulden tragen, will Knapp in Kürze Gläubigern und Aktionären mitteilen. Erhebliche Verluste für diese scheinen unvermeidlich.

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