Raiffeisen macht den Anfang: Gebühren für Bankomat-Abhebungen

55 Cent für jede Bankomat-Abhebung verlangt die RLB NÖ-Wien ab 2003. Die anderen Bankinstitute wollen diesem Schritt vorerst nicht folgen.

WIEN (sca). Die Raiffeisenlandesbank (RLB) NÖ-Wien bricht ein Tabu und wird ihren Kunden ab Jahresbeginn 2003 für Geldbehebungen über Bankomaten oder Foyer-Automaten Gebühren verrechnen - 55 Cent für jede Bankomat-Behebung, 30 Cent für Abhebungen im Foyerbereich. "Wir stehen für Kostentransparenz und Ehrlichkeit", kommentiert Georg Kraft-Kinz, Leiter des Privatkundengeschäfts der RLB NÖ-Wien, die Maßnahmen des Institutes. "Mit den 55 bzw. 30 Cent sind wir annähernd kostendeckend", so Kraft-Kinz weiter. Spezielle Pakete mit Pauschalpreisen sollen den Kunden der Bank als Gegenzug für diese "unerfreuliche" Aktion nun angeboten werden.

Hintergrund der Vergebührung: Am 1. Juli dieses Jahres trat eine EU-Verordnung in Kraft, wonach die Kosten für Karten-Transaktionen in keinem Land des Euroraumes höher als im Inland sein dürfen. Damit dürfen die Banken die durch Geldbehebungen am Bankomat im Ausland verursachten Kosten solange nicht verrechnen, solange sie im Inland für dieselbe Leistung keine Gebühren verlangen.

Zwischen zwei bis vier Euro je nach Land schätzt Kraft-Kinz die Kosten, die der Bank bei einer Auslandsbehebung anfallen. Die Folge: Der Auslandszahlungsverkehr fast aller heimischer Instituten rutschte tief in die rote Zahlen. Dieses Geld soll nun wieder verdient werden.

RLB - ein Präzedenzfall?

Dennoch versicherten die anderen großen heimischen Bankinstitute sofort, keine solchen Maßnahmen ergreifen zu wollen - zumindest derzeit. Es habe zwar Diskussionen über dieses Thema gegeben, zumindest innerhalb des ersten Halbjahres 2003 werde es aber zu keiner Vergebührung kommen - weder bei Bankomaten, noch bei Foyer-Automaten, heißt es auf Anfrage der "Presse" aus der Bawag/PSK.

Bei der BA/CA ist man vorsichtiger und spricht davon, daß "aus heutiger Sicht" keine Gebühren geplant seien. Allerdings wäre es internationaler Usus, bei Bankomat-Behebungen Gebühren zu verlangen, die Bank verweist auf die Geschäftspraktiken von Deutschen, Belgischen und französischen Kreditinstitute. So verlange etwa die Dresdner Bank gar 3,5 Euro pro Behebung, die französische Soci©t© G©n©rale einen Euro. Die Credit Suisse aus dem Nicht-EU-Land Schweiz verlange bei Behebungen im Ausland 3,48 Euro, im Inland nichts.

Auch die Erste Bank beteuert, derzeit nicht dem Beispiel der RLB NÖ-Wien folgen zu wollen. Doch wie lange das der Fall sein werde, könne niemand sagen.

Für Bankomatabhebungen haben Konsumenten freilich bisher auch schon einen Obulus entrichtet - in Form von Buchungszeilengebühren. Dies hat in den vergangenen Jahren aber zunehmend an Bedeutung verloren, da der Großteil der Kontoinhaber mittlerweile auf pauschale Kontoführungsmodelle umgestiegen sind - etwa in der Erste Bank sind dies schon 90 Prozent der Kunden.

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