Die Diskussion über Grassers "Schnellschuß" reißt nicht ab.
WIEN (red). Von der eiligen Präsentation der neuen "Zukunftsvorsorge" durch die Minister Grasser und Bartenstein in der Vorwoche wurde auch Richard Schenz, der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, überrascht. Und das Gesetz, das am vergangenen Freitag durch das Parlament gepeitscht wurde, hat für ihn durchaus Schönheitsfehler. "Doch selbst wenn ich mich überfahren fühlen würde, bin ich doch sehr froh darüber, daß die Grundidee aufgenommen und noch politisch durchgedrückt wurde", sagte Schenz am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten.
Schenz bewertet das neue Pensionsvorsorgemodell, bei dem jährlich 1801 Euro angespart werden können, wofür es zehn Prozent Prämie gibt, als "historische Großtat". Seiner Meinung nach werde auch eine anders zusammengesetzte Regierung das Produkt nicht kippen: "Die ist vielleicht froh darüber, daß es der Buhmann vorher gemacht hat und sie es nicht machen müssen." Wäre er jung genug, würde er das neue Produkt sicher zeichnen, so Schenz.
Den zahlreichen Kritikern am neuen Modell warf er Miesmacherei vor. Weil in der Vorwoche alles überfallsartig ablief, werden nun die Detail-Besprechungen mit Banken und Versicherungen nachgeholt. Schenz hätte es lieber gesehen, wenn der Bund und nicht das anbietende Geldinstitut die Kapitalgarantie übernimmt. Er hätte es auch vorgezogen, wenn die Pensionsinvestmentfonds weiterlaufen und nicht - wie nun vorgesehen - auslaufen.
Versicherer skeptisch
Zu der vom Finanzministerium ins neue Modell reklamierten Mindestveranlagung von 60 Prozent in Austro-Aktien steht der Kapitalmarktbeauftragte grundsätzlich und glaubt auch nicht, daß der eher schwache Wiener Kapitalmarkt das nicht hergeben werde. Wenn 500.000 Menschen jährlich den geförderten Höchstbetrag ansparen, macht dies insgesamt nur fünf Prozent vom Handelsvolumen der Wiener Börse aus. Auch in Frankreich und Luxemburg gebe es massive Förderungen für den nationalen Kapitalmarkt: "Und im Vergleich zu diesen Ländern ist unser Kapitalmarkt ja ein Ziel-1-Gebiet."
Skeptisch äußerte sich der Präsident des Versicherungsverbandes und Chef der österreichischen Generali-Gruppe, Dietrich Karner zum neuen Vorsorgemodell: "Eine Kapitalgarantie mit einem Aktienanteil von 60 Prozent ist, milde ausgedrückt, problematisch. Mein Institut wird rein aus heutiger Sicht ein solches Produkt nicht anbieten," sagte er bei einer Veranstaltung des Versicherungsverbandes. Wiener Städtische und Uniqa prüfen noch, ob sie das neue Produkt anbieten.
Josef Schmidinger, Chef der S-Bausparkasse, verweist auf amerikanische Beispiele: Es habe sich gezeigt, daß bei der Altersvorsorge über längere Laufzeiten ein Aktienanteil von 30 Prozent sinnvoll sei. Insgesamt sei das Modell aber sinnvoll, die Bausparkassen hätten ähnliches schon vorgeschlagen. Schmidinger erwartet, daß Immobilienaktien ein wesentlicher Bestandteil derartiger Vorsorgeprodukte werden könnten. Diese würden ein langfristiges sicheres Wachstum aufweisen und damit zur Risikominimierung beitragen können.