Moderne Biotechnologie kann so manches zur Gesundheit der Nutztiere beitragen - und damit zur Wirtschaftlichkeit in der Landwirtschaft.
WIEN. "Probiotisch" ist seit einigen Jahren eine Art Zauberwort für die Gesundheit. Aber nicht nur für die menschliche Ernährung, sondern immer mehr auch für Tierfutter. Durch Zusatz von Mikroorganismen zum Essen sollen dabei positive Gesundheitseffekte erzielt werden. Während beim Menschen erhoffte langfristige positive Wirkungen im Vordergrund stehen, gilt es bei Rindern, Schweinen und Geflügel, relativ kurzfristig den Mast-Erfolg bzw. die Milchleistung zu erhöhen - schließlich leben die Tiere meist kürzer, als man gern wahrhaben will.
Im Kern geht es bei Probiotika darum, die natürliche Darmflora bei ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen. Der Verdauungstrakt ist ausgekleidet mit einer unglaublichen Fülle und Vielzahl an Bakterien und Pilzen, ohne die ein Tier nicht überleben könnte. Diese Mikroorganismen übernehmen einen Teil der Verdauung oder liefern bestimmte Stoffe, etwa Vitamine, die der tierische Organismus nicht produzieren kann. Und: Sie verhindern, daß sich schädliche Mikroorganismen, die ständig mit der Nahrung zugeführt werden, nicht massenhaft vermehren können.
Durch Probiotika wird das Infektionsrisiko - vor allem bei neugeborenen Tieren - stark vermindert, die Futterverwertung verbessert sich und die Tiere nehmen mehr und schneller zu. Besonders interessant werden diese biologischen "Leistungsförderer" dadurch, daß Antibiotika im Tierfutter - die ähnliche Wirkungen zeigen - zunehmend verpönt sind.
In der EU sind derzeit rund 20 probiotische Futterpräparate zugelassen, die aber allesamt nicht optimal sind. Weshalb intensiv weitergeforscht wird. In Österreich sehr aktiv ist dabei das Kapfenberger Unternehmen Lactosan, und zwar in enger Kooperation mit der Universität für Bodenkultur. Gesucht werden neue Bakterienstämme, bessere Verfahren für deren Herstellung sowie verbesserte Sicherheitstechniken. Denn viele nützliche Darmbakterien haben enge Verwandte, die Gifte produzieren. Und diese gilt es, erst einmal zu erforschen, um sie dann eindeutig identifizieren zu können.
Auch indirekt kann die moderne Biotechnologie - nicht zu verwechseln mit der Gentechnik - so manches zur besseren Ernährung von Rindern beitragen: und zwar durch die Optimierung des Silierens.
Stabilere Silage
Durch diesen Prozeß, der unter Luftabschluß in Silos oder in den wenig kleidsamen Kunststoffballen stattfindet, wird Grünfutter oder Mais vergoren. Durch die Umwandlung von Zucker in Milch- und Essigsäure wird verhindert, daß das Futter verdirbt oder gar verschimmelt.
Der Prozeß findet an sich durch natürlich vorkommende Bakterien von selbst statt. Nicht selten kommt es aber zu Fehlgärungen, die die Silage unbrauchbar oder zumindest für die Tiere nicht schmackhaft machen. Deshalb geht man immer mehr dazu über, den biologischen Prozeß mit Hochleistungsbakterien einzuleiten.
Ein Problem, an dem vor allem Forscher der Boku in Kooperation mit mehreren Firmen arbeiten, ist die Haltbarkeit der Silage, wenn diese wieder an die Luft kommt. Diese "aerobe Stabilität" wird durch einen hohen Gehalt an Essigsäure verbessert - die aber den Tieren in zu großen Mengen nicht schmeckt. Die Wissenschaftler suchen deshalb nach neuen Bakterienstämmen, -mischungen und Silierverfahren, um die widerstrebenden Anforderungen bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Und gute Produkte zu entwickeln.