Hoffen auf Kursrally. Wenn die Aktienkurse im Herbst nicht massiv steigen, werden Lebensversicherungen heuer neuerlich weniger abwerfen.
WIEN. Die Gewinnbeteiligungen bei Lebensversicherungen könnten nächstes Jahr wieder sinken - diesmal allerdings unter fünf Prozent. Für heuer haben die Versicherer im Schnitt gerade noch ein bißchen mehr als fünf Prozent versprochen. Im Vorjahr lagen viele Anbieter noch bei sieben Prozent. Um dieses Versprechen zu erfüllen, mußten die meisten Gesellschaften ihre stillen Reserven anknabbern. Ein Polster, der Versicherern für heuer fehlt.
Langsam werden die Akteure in den Versicherungen nervös, heißt es in der Branche. Der allgemein erhoffte Börsenaufschwung ist ausgeblieben, die Kurse liegen teilweise sogar unter jenen nach dem 11. September. "Die Situation ist nicht rosig, aber noch sind die fünf Prozent zu halten", sagt etwa der Chef der Wiener Städtischen, Günter Geyer. Die Hoffnung liege nun auf dem zweiten Halbjahr. Auch Generali-Chef Hans Peer sagt: "Aus heutiger Sicht kann das Versprechen gehalten werden." Ein Absenken sei notwendig, wenn sich die Situation weiter verschlechtere und das Geld nur mehr ganz sicher veranlagt werden kann. Endgültig lasse sich das aber erst im November sagen. Und Uniqa-Chef Konstantin Klien verweist auf Deutschland: "Dort ist die Situation noch schlimmer."
Aufsicht schaut genau
Die Abgabefrist der Bilanzen ist Ende Juni ausgelaufen. Nun muß die Finanzmarktaufsicht ein Auge auf jene Gesellschaften werfen, die bereits im Vorjahr Probleme hatten, die Gewinnbeteiligungen zu zahlen. Von den in letzter Minute eingeführten erleichterten Bilanzierungsregeln hat bisher allerdings keine Versicherungsgesellschaft Gebrauch gemacht.
Auch eine weitere Neuerung machte sich bisher noch nicht bemerkbar: Sobald eine Kürzung der Gewinnbeteiligung absehbar ist, müssen die Kunden beim Abschluß einer Polizze darüber informiert werden. Das sieht ein Erlaß des Finanzministeriums vor. Bisher gingen Versicherer beim Versprechen künftiger Gewinnbeteiligungen und Hochrechnungen, was nach 20 oder 25 Jahren Lebensversicherungs-Sparen herauskommt, von vergangenen Werten aus.
In Deutschland ist die Situation tatsächlich schlimmer. Dort wurden in der Hoffnung auf eine Erholung der Aktienmärkte die Gewinnbeteiligungen nicht so stark zurückgenommen wie in Österreich. Die turbulenten Börsen stellen laut einer Umfrage von Mummert + Partner das größte Problem von deutschen Versicherungsmanagern dar (jeder dritte). Jeder vierte nennt Wettbewerb und Preisdruck als Problem, dann folgen hinderliche Gesetze, Kosten, Risken durch Terror oder Naturkatastrophen. Lösen wollen Versicherer die Probleme vor allem durch die Erfindung neuer Produkte, besseres Kapitalanlagemanagement, mehr Service und Aufstockung des Vertriebs.