Südostasien versucht, mit Bioethanol ein neues wirtschaftliches Standbein aufzubauen. Der Nachfrage danach steigt weltweit - nicht zuletzt durch Forcierung erneuerbarer Energieformen in Japan und der EU.
WIEN. Die südostasiatischen Staaten verstärken derzeit ihre Aktivitäten, mit der Herstellung von Bioethanol als Autotreibstoff ein neues Standbein auf dem Weltmarkt aufzubauen. Allen voran versucht Thailand, auf diese Weise das riesige agrarische Produktionspotential in klingende Münze umzusetzen. Die Regierung hat Programme gestartet, um Privatunternehmen zum Einstieg in die Bioethanolproduktion zu bewegen. So will nun etwa der Zuckerkonzern Wang Kanai eine riesige Ethanol-Fabrik bauen.
In den Startlöchern steht auch der größte asiatische Zuckerproduzent, Indien. Die Zuckerindustrie will durch die Ethanolproduktion ihre riesigen Überschüsse gewinnbringend vermarkten. Zudem will Indien, ähnlich wie etwa Kalifornien oder Taiwan, gesundheitsschädliche Benzinzusatzstoffe - vor allem MTBA - aus dem Sprit verbannen. Ersetzt werden kann dieser durch Ethanol. Schätzungen zufolge wird sich die Ethanol-Nachfrage in den kommenden Jahren verdoppeln. Derzeit werden weltweit 24 Mill. Tonnen Bioethanol hergestellt, von denen etwa die Hälfte als Treibstoff, der Rest für alkoholische Getränke und in der chemischen Industrie verwendet wird.
Die Hoffnungsmärkte für die südostasiatischen Staaten sind China und Japan - die beide extrem abhängig von Rohölimporten aus dem Nahen Osten sind. Zudem reduzieren Biotreibstoffe den CO2-Ausstoß - wie es im Kyoto-Protokoll gefordert ist.
Riesenfabriken in China
In Japan wird dazu zur Zeit eine verpflichtende Beimischung von Ethanol zu Benzin in der Höhe von zehn Prozent diskutiert. Das Problem dabei: Der Inselstaat hat keine verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Energiepflanzen und ist daher vom Import abhängig.
China forciert auch selbst die Herstellung von Bioethanol. Um den Benzinbedarf decken zu können, muß das neue WTO-Mitglied derzeit rund 70 Mill. Tonnen Erdöl importieren. Gemäß dem laufenden Fünfjahresplan wird nun in Jilin in Nordosten des Landes eine Ethanolproduktion errichtet. Zudem laufen Machbarkeitsstudien über zwei weitere Anlagen.
Bioethanol wird vor allem aus stärke- und zuckerhältigen Pflanzen - Getreide, Zuckerrohr, Maniok, ja sogar Weintrauben - hergestellt. Die Rohstoffe werden dabei alkoholisch vergoren und dann destilliert. In Entwicklung sind zudem Verfahren, bei denen die Zellulose von Holz, Stroh und Pflanzenabfällen durch enzymatische Verfahren zu Ethanol umgesetzt wird. Davon verspricht man sich eine deutliche Verbilligung in der Herstellung. Um 1000 Liter Benzin zu ersetzen, braucht man rund 1500 Liter Ethanol. Der Biosprit kann als Beimischung von bis zu 15 Prozent zu fossilem Benzin in herkömmlichen Automotoren verwendet werden. Auch das weiterverarbeitete ETBE (Ethyl-tertiär-butyl-ether) kann bis zu 15 Prozent zu Benzin beigemischt werden.
Weltmarktführer bei Bioethanol ist Brasilien, wo knapp zehn Mill. Tonnen vergorenen Zuckersafts von extra dafür konstruierten Automotoren verbrannt werden. Das ist mehr als ein Drittel des Treibstoffbedarfs. Die Produktion stagniert aber seit einem Jahrzehnt, weil die Anbauflächen für Zuckerrohr kleiner werden und die Produktionskosten oft höher als der staatlich garantierte Abnahmepreis liegen.
Mit einer Produktion von 3,5 Mill. Tonnen sind die USA die Nummer zwei am Weltmarkt. In Nordamerika wird Weizen und Mais zu Bioethanol verarbeitet, üblich ist eine Zumischung zu Benzin von fünf bis zehn Prozent. An dritter Stelle liegt Frankreich, wo Zuckerrüben zu etwa 300.000 Tonnen Ethanol vergoren werden. Vor allem Schweden schmiedet große Zukunftspläne: Die Regierung will die großen Weizenüberschüsse verstärkt zu Treibstoff verarbeiten - damit könnte das Land 5,6 Prozent seines Benzinbedarfs abdecken. Weiters forciert Schweden - auch im Rahmen von EU-Projekten - die Ethanolherstellung aus Holz. Bis 2004 will man ein konkurrenzfähiges Verfahren präsentieren.
Ansonsten dominiert in Europa bei den erneuerbaren Treibstoffen Biodiesel. Österreich ist dabei Vorreiter und zählt zu den Technologieführern. Biodiesel wird entweder aus ölhaltigen Pflanzen - Raps, Sonnenblumen - oder aus Altspeisefetten hergestellt. Die Produktionskosten liegen laut EU-Kommission etwa doppelt so hoch wie bei fossilen Treibstoffen. Wegen des Wegfalls der Mineralölsteuer ist der Preis an den Zapfsäulen derzeit mit dem von Erdölprodukten vergleichbar.
Neue Landwirtschaft
Wie berichtet, will die EU den Anteil an Biosprit bis zum Jahr von derzeit 0,3 auf 5,75 Prozent 2010 erhöhen. Zur Verdeutlichung der Größenordnung dieses ambitionierten Vorhabens: Um acht Prozent des europäischen Kraftstoffbedarfs mit Biosprit decken zu können, müßten zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen dafür genutzt werden. Für die Agrarwirtschaft würde das eine grundlegende Umorientierung hin zum Non-Food-Sektor bedeuten.
Erreicht werden soll das vor allem durch steuerliche Maßnahmen, die konkrete Ausgestaltung bleibt den Mitgliedsstaaten überlassen. Zudem soll es bis 2005 den Ländern freigestellt sein, ob sie Biotreibstoffe zu Benzin bzw. Diesel zumischen oder "sortenrein" verkaufen wollen. Beimischungen sind derzeit vor allem in Frankreich auf dem Markt. In Österreich, wo eine zweiprozentige Beimischung rechtlich möglich wäre, wird nur reiner Biodiesel verkauft.