Wachablöse bei Credit Suisse: Lukas Mühlemann muß gehen

Die Probleme der Schweizer Großbank erzwangen den Rücktritt des Chefs. Sie sind aber auch eine harte Herausforderung für die neue Führungsmannschaft .

Er galt schon seit langem als "lahme Ente": Gestern zog Lukas Mühlemann, bisher Verwaltungsrats-Präsident und Konzernchef (CEO) des Schweizer Finanzkonzern Credit Suisse (CS) Group, die Konsequenzen und kündigte seinen Rücktritt per Jahresende an.

Mühlemann erklärte zu seinem Rücktritt, er wolle, daß sich die Credit Suisse Group unbelastet von der Diskussion um seine Person erfolgreich weiter entwickeln könne. Und die Diskussion war offenbar in der Tat heftig, neben den CS-Aktionären hatte auch die Angestellten der Bank das Vertrauen in ihren Chef verloren.

Der 52jährige Mühlemann hatte 1997 die Konzernleitung der CS Group übernommen. Im Jahr 2000 wurde er zusätzlich als Nachfolger von Rainer Gut zum Präsidenten des Verwaltungsrates ernannt.

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der 1997 erworbenen Versicherung Winterthur und hohe Kosten im Investmentbanking drückten auf die Ergebnisse. Zusätzlich geriet Mühlemann wegen seiner Rolle als ehemaliger Verwaltungsrat der zusammengebrochenen Fluggesellschaft Swissair und seiner Rolle bei argentinischen Finanzinstituten ins Kreuzfeuer.

Der scheidende Bankchef hatte ursprünglich gehofft, wenigstens einen Teil seiner Ämter retten zu können. Er wollte im Frühjahr als Verwaltungsratschef zurücktreten, aber Konzernchef bleiben.Jetzt kommt es doch zum radikalen Wechsel.

Mühlemanns Nachfolger stehen bereits fest: Neuer Präsident des Verwaltungsrates wird Walter Kielholz, der bisher Chef des Rückversicherungskonzerns Swiss Re war. Die operative Konzernleitung übernehmen Oswald Grübel, der bisher die CS-Division Credit Suisse Financial Services leitete, und John Mack, derzeit noch Leiter des Investmentbank-Bereichs Credit Suisse First Boston. Diese - von Experten als nicht unproblematisch beurteilte "Doppelspitze" - muß nun versuchen, die Nummer zwei unter den Schweizer Großbanken wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. dom

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