"Bio hat nun seine Unschuld verloren"

Der Marktanteil von biologischen Lebensmitteln ist in den ersten Monaten des Jahres gesunken.

WIEN. Über die Auswirkungen der jüngsten Skandale um Bio-Lebensmittel gibt es zwar noch keine konkreten Zahlen. Der Trend seit Jahresbeginn läßt aber nicht Gutes erahnen. Denn schon im ersten Trimester des Jahres - also vor dem Bekanntwerden der Probleme - stagnierten die Marktanteile von "Bio" im Lebensmittelhandel.

Zuwächse könnten nur bei Produkten wie Frischmilch oder Obst erzielt werden, bei Käse und vor allem bei Fleisch kam es hingegen zu einem Rückgang von bis zu 28 Prozent (siehe Graphik). Die genauen Ursachen dieser Verschiebungen liegen noch im Dunkeln, das Phänomen steht aber offenbar in engem Zusammenhang mit der BSE-Krise: Im Jahr 2001 ist zum einen der Bio-Fleisch-Anteil generell stark gestiegen - ein Effekt, der durch den Einbruch des restlichen Rindermarktes noch verstärkt wurde; zum anderen erlebte im Vorjahr Käse als Substitut für Fleisch einen Boom.

Der Rückgang ist nun bei "Bio" stärker ausgeprägt als im Gesamtmarkt. Das könnte man so interpretieren, daß die Bedenken gegen konventionell produzierte Lebensmittel geschwunden sind - und deshalb wieder weniger Menschen höhere Preise für Bio-Lebensmittel zahlen wollen.

Der Geschäftsführer der AMA Marketing, Stephan Mikinovic, will diese Zahlen im Gespräch mit der "Presse" nicht "systematisch interpretieren". "Ich merke bisher nichts von einer generellen Skepsis", so Mikinovic. Positiv sei jedenfalls, daß die Skandale vom Sektor selbst entdeckt wurden.

Faktum ist jedoch, daß der Vertrauensverlust der Konsumenten auch den Bio-Sektor erfaßt haben. "Auch Bio hat nun seine Unschuld verloren", sagt Mikinovic. Spätestens jetzt müsse allen klargeworden sein, daß es erstens keine 100prozentige Sicherheit gibt und daß zweitens dieses Segment nicht mehr nur als "klein, fein und bescheiden" gesehen werden kann.

Im Vorjahr wurden im heimischen Lebensmittelhandel mit Bio-Nahrung rund 390 Mill. Euro umgesetzt. Ein Beispiel, welchen Stellenwert "Bio" in Österreich mittlerweile hat: Bei Merkur ist Biogebäck mengenmäßig das größte Segment. Im Herbst soll mit einjähriger Verspätung auch eine große Werbekampagne für "Bio" starten.

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