Das Finanzministerium plant einen Erlaß, wonach die Versicherer bei ihren Gewinnversprechen für Lebenspolizzen an strengere Regeln gebunden werden sollen.
WIEN. Die Versicherer haben durch die massiven Kürzungen der Gewinnbeteiligung in der Lebensversicherung in letzter Zeit viel für Aufregung bei ihren Kunden gesorgt. Nun taucht eine neue Diskussion auf: Mit welchem Gewinnversprechen dürfen Außendienst und Makler neue Kunden anlocken?
Derzeit ist es üblich, daß die Versicherer die Gewinnbeteiligung des letzten Jahres für die Prognose hernehmen. Die Gewinnbeteiligung 2001 wird zur Zeit von den meisten Gesellschaften von mehr als sechs auf knapp über fünf Prozent gekürzt, und da schauen im Angebot die Berechnungen, wieviel die Kunden nach 20 oder 25 Jahren aus ihrer Lebensversicherung herausbekommen, freilich nicht mehr so gut aus. Oft haben die Gesellschaften deshalb mehr versprochen. Auch Strukturvertriebe üben Druck aus: Die Wiener Städtische hat sich gerade von einem großen Vertriebspartner getrennt, weil sie nicht mehr sechs Prozent zusagen wollte.
Die bisherigen Schritte des Finanzministerium haben nichts genützt. Bereits im Vorjahr gab es einen Erlaß, wonach Versicherer verstärkt die künftige Situation auf den Finanzmärkten in die Prognose hineinnehmen sollen. Das gilt vor allem für Zeiten, in denen mit den hohen Gewinnversprechen des Vorjahres gerechnet wird, obwohl die Börsen und Zinsen deutlich nach unten gehen. "Das hat nicht wirklich funktioniert", heißt es aus der Versicherungsaufsicht. Das liege auch daran, daß sich ausländische Versicherer wie Gerling, Aspecta oder der Deutsche Herold nicht dazu verpflichtet fühlen, und heimische Gesellschaften bei Vergleichen immer schlecht aussteigen.
Nun wird an einem neuen Erlaß gebastelt, der strengere Vorschriften enthalten soll. Die Angebote für den Abschluß einer Lebensversicherung müssen demnach mehrere Modellrechnungen enthalten. Ausgehend von einem Mittelwert, der sich wohl aus den Gewinnbeteiligungen vergangener Jahre zusammensetzen wird, müssen Versicherer künftig auch die Auszahlungssumme mit einer um einen Prozentpunkt höheren und einer um einen Prozentpunkt tieferen Rendite angeben. "Das würde die Lebensversicherung für den Konsumenten transparenter machen", meint etwa Uniqa-Vorstand Karl Unger.