Autos sind billig wie schon lange nicht. Hersteller und Händler reagieren mit günstigen Konditionen auf den schwachen Verkauf.
WIEN. Wer früher einmal bei Mercedes nach einem Preisnachlaß fragte, erntete ein mildes Lächeln: Die Nobelkarosse gab es zum Listenpreis oder gar nicht. Heute bieten - so berichten potentielle Käufer - Mercedeshändler schon von sich aus einen Rabatt an.
Der Wandel der Geschäftspraktiken beim deutschen Hersteller ist symptomatisch für die Branche. Preisnachlässe sind heuer leichter und in höherem Ausmaß zu haben, als in vergangenen Jahren. Kein Wunder: Ist doch heuer der Neuwagenverkauf im ersten Halbjahr um 8,8 Prozent zurückgegangen und erreichte damit den schlechtesten Wert seit 1988. Vor allem Firmenkunden halten sich bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge zurück.
"Wir bemerken, daß jetzt mehr herauszuholen ist, als im Vorjahr", sagt Erich Ulrich, Geschäftsführer von Preisfinder.at. Dieser der Arbeiterkammer Niederösterreich nahestehende Verein bemüht sich darum, für Kunden, die einen speziellen Wunsch haben, das günstigste Angebot herauszufinden. Bei den Rabatten sei heuer um ein Prozentpunkt mehr als noch im Vorjahr drinnen, so Ulrich. Dazu gebe es Möglichkeiten, bei der Ausstattung noch einiges herauszuholen.
Generell würden japanische Hersteller höhere Preisnachlässe einräumen, als die europäischen, bei Fahrzeugen mit höheren Stückzahlen sei weniger zu holen, als bei Sondermodellen. Laut den Erfahrungen von Preisfinder.at sind Mercedes-Fahrzeuge um fünf bis sechs Prozent unter dem Listenpreis zu haben, bei Peugeot gibt es sieben bis acht Prozent, bei Volkswagen ist ebenfalls bei acht Prozent Schluß. Höhere Rabatte gibt es bei Ford und Opel, wo es manchmal auch über 10 Prozent geht (ein Opel Zafira konnte sogar 15 Prozent unter dem Listenpreis vermittelt werden), und bei Land Rover, wo sehr oft mehr als zehn Prozent drinnen sind.
Zweifel an den den Ergebnissen hat Heinz Havelka, der Sprecher des österreichischen Autohandels. Die Rabatte seien in den vergangenen Jahren gesunken, da auch die Preisspannen der Händler von 14 bis 18 auf acht bis 14 Prozent zurückgegangen seien. Wohl aber gebe es Aktionen einzelner Importeure, die Sondermodelle zu günstigen Preisen anbieten. Diese Aktionen habe es in der Vergangenheit immer im Herbst gegeben, da die Importeure ihre Vorgaben einhalten wollten. Heuer hätten die Aktionen schon früher begonnen.
Preisschlacht bei Lkw
FRANKFURT (dpa). Noch härter als im Pkw-Geschäft wird bei Nutzfahrzeugen um Marktanteile gekämpft. Nachlässe von 30 bis 50 Prozent seien eher die Regel als die Ausnahme, berichtet der deutsche Verband der Automobilindustrie.