Gefälschte Euro-Scheine wandern im stressigen weihnachtlichen Einkaufsrummel leicht über den Ladentisch. Besonders in Trafiken. Wenn die Blüte erkannt wird: Polizei rufen.
WIEN (ko). Die Kunden stehen Schlange vor der Trafik Bittermann, Mariahilferstraße. Drinnen: Hektik. Im letzten Moment fällt es der Verkäuferin auf - der Fünf-Euro-Schein, den ihr der Stammkunde eben über die "Budl" geschoben hat, ist gefälscht. Noch einmal Glück gehabt.
Denn gerade in hektischen Situationen wandern Euro-Blüten besonders leicht über den Ladentisch, weiß Erich Zwettler vom Innenministerium. Die sind im weihnachtlichen Einkaufsrummel in den kommenden vier Wochen freilich vorprogrammiert. Gefährdet sind vor allem Trafiken. Die Leute, die von den Falschgeld-Organisationen angeheuert werden, um die Blüten unters Volk zu bringen, kaufen gern Zigaretten - "weil sie die gut weiterverscherbeln können". Ein weiterer Umschlagplatz für falsche Banknoten sind Taxis. Auch dort soll's beim Zahlen oft schnell gehen. Und in der Nacht ist es im Auto so finster, daß der Taxifahrer den Schein kaum ausreichend überprüfen kann.
Für den Sicherheitscheck gilt zuerst: Fühlen (Tiefdruck) und Schauen (Wasserzeichen). Beim Kippen des Scheins verändern sich die Bildchen in den Folienelementen. Die Trafik Bittermann besitzt, seitdem dort der erste falsche Hunderter einkassiert wurde, zusätzlich ein eigenes Prüfgerät. Damit können die UV- und Infrarot-Elemente auf der Banknote überprüft werden.
2420 falsche Banknoten konnte die Nationalbank bisher sicherstellen - bei etwa 800 Millionen überprüften Scheinen. Die Fälschungsquote ist deutlich höher als beim Schilling. Stefan Augustin von der OeNB erklärt sich das vor allem damit, daß der Euro weiter verbreitet und in der ganzen Welt getauscht wird.
Was tun, wenn ein Verkäufer oder Kassier eine Blüte als solche erkennt? Am besten die Polizei anrufen und den Vorgesetzten benachrichtigen, rät Erich Zwettler. Und wenn es eine Überwachungskamera gibt, diese einschalten. Auf keinen Fall "selbst den Helden spielen", sprich: den Kunden festhalten. Viele der professionellen Falschgeld-Dealer seien gewaltbereit, warnt Zwettler. Ebenfalls verboten: den Kunden mit dem Schein wegschicken - etwa zur nächsten Bank. Auch wenn es sich um einen Stammkunden handelt.
Keine Chance bei aller Vorsicht haben die Trafikanten noch bei den Zigarettenautomaten. Die fressen die Blüten - und lassen den Übeltäter ungeschoren davonkommen.
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