90 Bankomaten mußten bis zum Nachmittag des Neujahrstag wieder befüllt werden, weil der Andrang so stark war.
WIEN (mk). Am 31. Dezember ab 19.30 Uhr kamen die ersten Euro-Banknoten aus den Bankomaten. Bis Mitternacht waren dann - wie geplant - alle Geldausgabeautomaten auf die neue Währung umgestellt. Und wie auch an ganz gewöhnlichen Tagen, funktionierte das Abheben der Scheine in der ersten Euro-Nacht problemlos. Nur 13 der 2612 Bankomaten in ganz Österreich waren außer Betrieb.
"Das liegt im Durchschnitt. Normalerweise gibt es immer zwischen zehn und 15 Bankomaten, die aufgrund von Leitungsfehlern oder anderer Probleme nicht funktionieren", erklärt Europay-Geschäftsführer Ewald Judt. Er schätzt, daß am ersten Jänner insgesamt bis zu 350.000 Personen Geld vom Bankomaten abgehoben haben werden. "Das sind bis zu dreißig Prozent mehr als an normalen Tagen", sagt Judt zur "Presse". Die Höhe der Abhebungen bewege sich allerdings in der gleichen Größenordnung wie unter "normalen" Umständen. 90 Automaten - die zunächst mit 10.000 Banknoten im Gesamtwert von 550.000 Euro (7,57 Mill. S) bestückt waren - mußten am Dienstag bereits neu gefüllt werden, weil der Andrang so stark war.
"Reißender Absatz"
Während die Umstellung der Geldautomaten ohne Probleme verlief, gab es in Graz bei der Verteilung der Start-Pakete eine Panne. Die Nationalbank hatte in allen Landeshauptstädten Container aufgestellt, in denen ab Mitternacht um 500 Schilling jeweils ein Paket aus Münzen und Scheinen im Wert von 36,34 Euro abgegeben wurde. In Graz verkaufte aber ein Angestellter der Nationalbank Pakete aus 25 Stück Startpaketen zum Preis von einem Startpaket, also um 12.500 Schilling (908,41 Â) zu billig.
Die genaue Schadenshöhe stehe noch nicht fest, sagt Wolfgang Duchtczek, der in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) für die Euro-Bargeld-Einführung zuständig ist. Sie dürfte aber bei mehren tausend Euro liegen. "Deswegen geht die Welt nicht unter", meint Alfred Scherz, der in der OeNB die Euro-Logistik leitete. Insgesamt hat die Nationalbank in der Silvesternacht 8000 Stück der Startpakete mit Euro-Scheinen verkauft. Der Absatz sei "reißend" gewesen.
Einen starken Andrang verzeichneten auch die Banken, die am Nachmittag des Neujahrstags offen hatten. Mitunter haben sich bis zu 50 Personen vor den Kassen angestellt, berichtet Otto Peklo, der in der Bank Austria die Euro Task Force leitet. "Die meisten tauschen bereits all ihre Schillinge in Euro", sagt Peklo der "Presse". Die Bank Austria hatte in Wien drei Filialen aufgesperrt. "Man merkt, daß die Leute sehr interessiert sind", meint Erste-Bank-Vorstand Erwin Erasim. "Es ist bedeutend mehr als an normalen Tagen." Viele Personen hätten am 1. Jänner ihren Kontostand ausgedruckt, um genau zu wissen, wie viel Geld sie in Euro zur Verfügung haben.
Indes hat die Nationalbank angekündigt, daß sie eine Zwei-Euro-Banknote zur Diskussion stellen wird. Derzeit ist der kleinste Euro-Schein fünf Euro wert. Die Kosten der Umstellung auf die neue Währung bezeichnet Duchatczek mit 1,45 Milliarden Euro (20 Mrd. S). Im Gegenzug entfalle aber das Wechselkursrisiko. "Die Umstellung lohnt sich allemal."