Galileo. Auf Satelliten-Navigationssystemen beruht die künftige Verkehrstechnologie - von der Verkehrslenkung bis zum Road Pricing.
Die heutigen Navigationssysteme in Autos sind erst ein leiser Vorgeschmack, wie die Satellitennavigation in Zukunft die Welt der Mobilität revolutionieren wird. Denn nicht nur der Einzelne soll künftig - etwa durch geschickte Routenplanung - profitieren können, ein viel größeres Potential besteht für die Verkehrsüberwachung und -steuerung - mit allen damit zusammenhängenden Vorteilen.
Durch exakte Ortung von Verkehrsströmen kann die bestehende Infrastruktur besser ausgelastet werden, wodurch Staus vermieden und die Sicherheit erhöht werden. Spediteure können künftig den Standort eines Lkw oder Schiffes genau lokalisieren und dadurch effizienter planen. Auch künftige Road-Pricing-Systeme beruhen auf der Verbindung von Satellitenortung und Mobilfunk.
Die Landwirtschaft kann durch bessere Planung und Kontrolle der Feldbestellung oder Düngung profitieren - in den USA schon längst üblich. Flughäfen können ihre Infrastruktur besser nutzen, im Seehandel können etwa Container besser disponiert werden und auch im Eisenbahnwesen wird etwa die Kontrolle von Signalanlagen verbessert.
Für Europa sollen all das die auf den Alten Kontinent fokussierten 30 Galileo-Satelliten ermöglichen, die ab 2008 in 23.000 Kilometer über der Erdoberfläche kreisen werden. Nach jahrelangem politischen Tauziehen ist gestern, Dienstag, endgültig der Startschuß für das zumindest 3,25 Milliarden Euro (44,7 Milliarden Schilling) teure Unterfangen gefallen. Konzipiert ist Galileo - im Gegensatz zum militärisch ausgerichteten weltumspannenden GPS-System der USA - primär als ziviles System, das aber in weiterer Folge auch militärisch genutzt werden kann.
Trotz der Bedenken, die Österreich in der Vergangenheit wegen der Finanzierbarkeit hatte, bringt Galileo auch der heimischen Wissenschaft und Wirtschaft kräftige Impulse. Austrian Aerospace etwa bekam bereits den Auftrag für die Entwicklung und den Bau des Navigationssignal-Generators, die Austrian Research Centers in Seibersdorf sind maßgeblich an der Konzeption beteiligt.