Wien schickt keinen Kandidaten für EZB-Vizepräsidenten ins Rennen

Finanzminister Grasser nimmt endgültige Absage von OeNB-Chef Liebscher mit Bedauern zur Kenntnis.

BRÜSSEL (apa). Österreich wird keinen eigenen Kandidaten ins Rennen um den Posten des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) schicken. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher, hätte zwar große Chancen gehabt, habe aber seine endgültige Entscheidung am Montag getroffen, nicht zu kandidieren. Das sagte Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Dienstag in Brüssel. Der Posten des EZB-Vizepräsidenten wird im Juni nach dem Ausscheiden des Franzosen Christian Noyer frei.

Auch Tumpel-Gugerell verzichtet

Auch OeNB-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell habe auf eine Kandidatur verzichtet, teilte Grasser während eines Treffens der EU-Finanzminister mit. Die größten Aussichten auf das Amt habe der griechische Notenbankchef Lucas Papademos. Beworben haben sich außerdem der belgische Notenbank-Gouverneur Guy Quaden und Luxemburgs Notenbank-Präsident Yves Mersch.

Grasser sagte, er habe die endgültige Absage Liebschers mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Falls der Posten an Liebscher gegangen wäre, wäre dies eine große Chance für Österreich gewesen. Grasser will aber versuchen, im kommenden Jahr Tumpel-Gugerell zu bewegen, in das Direktorium der EZB einzutreten. 2003 wird wieder ein Posten vakant, weil das finnische Direktoriumsmitglied ausscheidet. "Ich kann aber niemanden am Halsband herbeiführen und zwingen, sich um den Posten zu bewerben", so Grasser. Grasser sagte, eine Bewerbung mache nur Sinn, wenn der Kandidat auch gewinne.

Der deutsche Finanzminister Hans Eichel ließ gegenüber der Presse offen, ob die Entscheidung über den EZB-Vizepräsidenten bereits beim EU-Gipfel Mitte März in Barcelona fallen wird oder erst später. Die
Debatte darüber habe noch nicht richtig begonnen. Grasser habe gesagt, er hoffe, dass in Barcelona mehr entschieden werde als nur die Nachfolge von Noyer.

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