Die Aktienkurse gleichen nach wie vor einer Achterbahn und strapazieren die Nerven der Anleger.
Die schlechten Aussichten für den Telekomausrüster Ericsson haben am Freitag auf dem Aktienmarkt wie eine Schwedenbombe eingeschlagen: Moody's hat das Kreditrating für Ericsson mit Junk (also Schund) eingestuft. Das bedeutet, daß Banken nun dem Handy-Hersteller nicht mehr 30 Mrd. Kronen (3,2 Mrd. Euro) an Hilfe zur Verfügung stellen könnten, die der angeschlagene Konzern brauchen würde.
Die Aktie stürzte auf ein neues Allzeittief und gab im Verlauf gut ein Fünftel nach. Der schwedische Leitindex OMX verlor mehr als vier Prozent. Auch andere Mobilfunkunternehmen und Telekomausrüster standen am Freitag unter Abgabedruck. Nortel etwa brach auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren ein.
Wenn man böse (und politisch unkorrekt) ist, könnte man die Börsen derzeit mit Frauen vergleichen, denn sie ändern laufend ihre Meinung. Der deutsche Leitindex DAX etwa startete am Freitag deutlich im Plus, sank binnen einer Stunde ins Minus, um dann wieder ins Plus und danach wieder in negatives Terrain zu drehen. Das Auf und Ab setzte sich bis zum Nachmittag fort, einmal hielt der DAX bei minus 2,8 Prozent, nicht wenig später hieß es dann plus 1,3 Prozent.
Dennoch gab es zwei "beständigere" Gewinner am Frankfurter Aktienmarkt: Der Chemieriese BASF und der Pharmakonzern Schering legten zu, nachdem beide Unternehmen angekündigt hatten, eigene Aktien zurückzukaufen.
Auch an den anderen Aktienmärkten ging es weiterhin turbulent zu. In den USA notierten am späten Nachmittag Dow Jones und der technologielastige Nasdaq Composite Index im unspektakulär positiven Bereich. Die Tatsache, daß das Verbrauchervertrauen im Juli gesunken ist (aber weniger stark als erwartet), hat keinen besonderen Schub gegeben.
An der Wiener Börse verlief der Freitag ruhig, am späten Nachmittag lag der ATX leicht im Minus. Größte Verlierer waren Austrian Airlines und Brau Union. Auf der Gewinnerseite fanden sich Uniqa und Mayr Melnhof. Die Analysten der Bank Austria-Creditanstalt haben ihre Anlageempfehlung für den Karton- und Faltschachtelhersteller von "Hold" auf "Buy" erhöht. Den Experten zufolge seien die Aktien des Unternehmens im Branchenvergleich um 35 Prozent unterbewertet.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Leitzinsen am Freitag um 50 Basispunkte gesenkt, weil sich die Erholung der Konjunktur möglicherweise verzögere. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Stellungnahme zur Schweizer Zinssenkung und zu Marktgerüchten über eine koordinierte Lockerung der Politik der Notenbanken abgelehnt.
Die zahlreichen Bilanzskandale in den Vereinigten Staaten haben indes zu einem deutlich höheren Kapital-Fluß aus den USA in die Eurozone geführt. Im Mai haben sich laut einer aktuellen Statistik der Europäischen Zentralbank die Netto-Investitionen verglichen mit den vorangegangenen Monaten verdoppelt.
Der Kurs des Euro veränderte sich am Freitag nur wenig, die europäische Währung rutschte aber wieder unter die Parität zum Dollar.