Britische Aktienexperten lenken die Aufmerksamkeit der Investoren auf russische Öl- und Gaswerte. Für Interessierte freilich ein Engagement mit Risiko.
LONDON. Eine Lanze für russischer Öl- und Gasaktien bricht die Credit Suisse First Boston (CSFB), in London. In der Erwartung eines anhaltend stabilen Ölpreises für den Rest des Jahres und auch 2003 sieht die Bank bei diesen Unternehmen die besten Gewinnchancen des Sektors. Der Kursverfall russischer Ölaktien um 10 bis 15 Prozent seit dem Frühjahr halten die CSFB für übertrieben. Das gelte ganz besonders für Gazprom, wo der Kurs seit Ende Mai um gar 30 Prozent eingebrochen sei.
Neben der allgemeinen Verschlechterung des Aktienklimas seien die russischen Ölwerte wegen der wenig beeindruckenden Gewinnausweise für das erste Quartal und die erste Hälfte 2002 unter Druck geraten. Seitdem habe der Cash-Flow der Unternehmen dank einer steigenden Förderung und wachsender Exporte jedoch wieder deutlich zugenommen. Die Preise seien nicht nur für die Exporte gestiegen sondern auch im Inlandsgeschäft. Durch die Inbetriebnahme zweier neuer Pipelines dürften die Ölexporte Russlands nach den Schätzungen von Credit Suisse in den ersten acht Monaten um etwa elf Prozent gestiegen sein. Außerdem nähmen die Exporte von Raffinerie-Produkten stetig zu.
Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich knapp vier (bezogen auf den für 2003 erwarteten Gewinn) sind die russischen Öl- und Gaswerte derzeit nur halb so hoch bewertet wie die der Ölmultis im Westen. Nicht zuletzt auch wegen der positiveren Risikobewertung des russischen Marktes durch das Ausland rechnet Vadim Mitroshin, der Öl- und Rußland-Experte von CSFB, mit kräftigen Kurssteigerungen der russischen Öl- und Gaswerte. Für Gazprom hat der Analyst ein 12-monatiges Kursziel gesetzt, das um fast 75 Prozent über dem heutigen Kurs liegt, bei Yukos und Surgutneftegaz hält er Kurssteigerungen von 42 bzw. 47 Prozent für wahrscheinlich, bei Lukoil einen Anstieg von 16 Prozent.
Wer sich auf das Risiko Rußland einlassen will, hat es allerdings nicht gerade leicht, zu den Aktien zu kommen. Direkt gehandelt werden die Papiere nur an der Moskauer Börse, in den USA sind sie über amerikanische Banken erhältlich. Eine weitere Form des Erwerbs stellen zahlreiche Osteuropa-Fonds dar, die russische Energiewerte in ihre Portfolios aufgenommen haben.