Bankaktien aus dem Osten stehen bei britischen Investmentbanken hoch im Kurs.
LONDON. David Aserkoff von Credit Suisse First Boston in London macht kein großes Geheimnis daraus, daß Polen und Ungarn derzeit seine "bevorzugten" Märkte der Region sind. Nach einem fulminanten Start ins neue Jahr könnten die Kurse an den dortigen Börsen bis auf weiteres zwar auf der Stelle treten: doch das nur bis zur zweiten Jahreshälfte 2002, wenn eine Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums und der Faktor EU-Beitritt dieser Länder wieder für ein günstigeres Umfeld sorgen würden.
Banken attraktiv
Anleger sollten denn auch rechtzeitig ihre Aktien in diesen Ländern unter Dach und Fach bringen, bevor die EU im Oktober feste Daten für den Beitritt der ersten "Welle" von Beitrittskandidaten nenne, mahnen gar die Analysten der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) in London. Sie konzentrieren sich dabei auf Bankaktien. Durch die Einbeziehung von 2004 in ihre Ertragsschätzungen fühlen sie sich in ihrem Optimismus erst recht bestätigt. "Wenn die Bankaktien der Region den gängigen Bewertungen der Geldinstitute in der EU folgen sollten, sind Kursgewinne von durchschnittlich 30 Prozent wahrscheinlich".
Polnische Banken sind für die SSSB-Experten eindeutig die Favoriten. Gemeinsam mit den Analysten von Credit Suisse räumen sie den Papieren der Bank Pekao dabei das größte Kurspotential ein. Anhaltende Kosteneinsparungen, reichliche Gebühreneinnahmen und sinkende Rückstellungen würden bei dieser den Gewinn pro Aktie im laufenden Jahr um 26 Prozent und 2003 um weitere "respektable" 21 Prozent steigen lassen. Bis 2004 könnte sich der Wert der Aktie mit einem Kursziel von 161 Zloty nahezu verdoppeln.
Bei der jüngst durch eine Fusion erweiterten BZWBK Bank (ebenfalls Polen) gehen die SSSB-Analysten Simon Nellis und Robert Sobieraj mit einem Kursziel von 90,4 Zloty bis 2004 von einer ähnlich umfangreichen Wertsteigerung aus. Der Gewinn pro Aktie werde sich im laufenden Jahr mehr als verdoppeln und von 2,1 Zloty pro Aktie (2001) bis auf etwa 7,8 Zloty im Jahr 2004 ansteigen.
"Gesundes Umfeld"
"Ein gesundes makroökonomisches Umfeld, ein robustes Wachstum bei der Kreditvergabe und sinkende Zinsen: kann es noch besser kommen?" So läuten die Analysten ihre Empfehlung der ungarischen Bankaktie OTP ein. Zwar befürchten sie eine Erosion der Zinsmarge der Bank unter dem Druck sinkender Zinsen. Auf der anderen Seite werde das bessere wirtschaftliche Umfeld aber die Kreditausfälle in Grenzen halten, was wiederum den Erträgen zugute komme. Auch bei der OTP soll eine Kursverdoppelung auf etwa 33.500 Forint bis 2004 ohne weiteres drin liegen. Obendrein winkten ausländischen Anlegern noch allfällige Kursgewinne beim Forint.
Was den tschechischen Favoriten Komercni Banka angeht, raten die Experten zum Kauf, bevor die Bank im April ihr Jahresergebnis für 2001 bekannt gibt. Dann werde diese nämlich auch den Gewinn aus dem Verkauf von zehn Prozent an dem Versicherer Ceska Pojistovna nennen, den SSSB auf immerhin 445 Mill. Tschechischen Kronen veranschlagt. Das in Aussicht gestellte Kursziel von über 2000 Kronen bis 2004 liegt ebenfalls um fast das Doppelte über dem gegenwärtigen Kurs.