Mist seien die Berichte der Londoner Analysten häufig, geht aus einer Studie hervor.
LONDON. Die bewußte Irreführung von Anlegern durch die Kaufempfehlungen von Aktienanalysten ist keineswegs nur auf die USA beschränkt. Das geht aus einer angeblich vernichtenden Studie eines britischen Großunternehmens über die Qualität der Aktienanalyse am Londoner Finanzplatz hervor.
"In vielen Fällen handelt es sich bei den angeblichen Analysen um ausgesprochenen Mist", erklärt der Autor der Studie, der nicht genannt werden will. Unter dem Siegel der Vertraulichkeit macht der Bericht jetzt in der Londoner City, Europas größtem Finanzzentrum, die Runde. Analysten der bekanntesten Investmentbanken werden darin angeprangert.
Die britische Finanzaufsichtsbehörde, FSA, bemängelt indes nach eigenen Untersuchungen, daß Analysten doppelt so viele Kaufempfehlungen für jene Unternehmen abgaben, für die ihre eigene Firma tätig war als für andere. FSA-Chef Howard Davies: "Eine solche Diskrepanz läßt sich nach objektiven Maßstäben nicht rechtfertigen."
Ein ehemaliger Analyst machte gegenüber der Behörde kein Hehl daraus, daß er eine "Verkaufsempfehlung" für einen Aktienwert revidieren mußte, als ihm mitgeteilt wurde, es handle sich bei dem besagten Unternehmen um einen der größten Kunden der eigenen Firma. In vielen Fällen stimmten die Analysten ihre Ergebnisse auch untereinander ab, um nicht allzu stark von einem Konsens abzuweichen, berichtet ein anderer Analyst.
Anders als in den USA rechnet jedoch niemand in der City mit einem gerichtlichem Nachspiel für die Verfehlungen und Schadenersatzstrafen wie in den USA. Das soll die FSA den Finanzinstitutionen an der Themse bereits so gut wie zugesichert haben.
In den USA wurde dagegen bereits die Investmentbank Merrill Lynch zu 100 Mill. Dollar Schadenersatz verurteilt, weil deren Analysten Aktien öffentlich zum Kauf empfahlen, die sie privat als "Schrott" klassifiziert hatten. Nach Beweisen der bewußten Irreführung von Anlegern suchen die US-Behörden auch bei den Häusern Salomon Smith Barney, Goldman Sachs, Credit Suisse First Boston, UBS Paine Webber und Bear Stearns.