US-Zinsen unter Inflationsrate: Analysten sehen Signal für weitere Dollar-Talfahrt

Weit unter der Inflationsrate liegt nun der US-Leitzins. Das mache den Dollar reichlich unattraktiv, meinen die Analysten.

WIEN (mip). Seit den Siebziger Jahren hat es das nicht mehr gegeben: US-Leitzinsen, die - wie seit vergangenem Mittwoch - 1,4 Prozentpunkte unter der aktuellen Inflationsrate liegen. Die Analysten der Investmentbank Credit Suisse First Boston sehen darin ein klares Signal für einen weiterhin fallenden Dollarkurs.

Die Währungsexperten verweisen dabei darauf, daß der Dollar stets auf Realzinsveränderungen reagiert habe und nach der Erfahrung der vergangenen drei Jahrzehnte derzeit im Vergleich zum Realzinssatz sogar noch überbewertet sei. Auch die Betrachtung der Unterschiede zwischen den Realzinssätzen der USA und jener der wichtigsten Handelspartner habe stets eine hohe Korrelation (gleichlaufende Bewegung) mit dem Dollarkurs gezeigt: Läßt das inflationsbereinigte US-Zinsniveau jenes etwa Japans, Großbritanniens oder Europas deutlich hinter sich, steigt der Dollar. Wird der Vorsprung kleiner oder fällt er gar ins Minus, sinkt der Dollar.

Soweit, so erwartbar. Die Experten sehen aber noch mehr: Sie orten Spielraum für noch weiter sinkende Realzinsen. Dafür ziehen sie den "Help-Wanted-Index" heran, der die Konjunktur anhand der Zahl der Inserate von Hilfsarbeiter-Jobangeboten in den Medien mißt. Mit Ausnahme der frühen Achtziger Jahre, als die Fed einen harten Inflationskampf führte und ihre Zinsentscheidungen nicht an Konjunkturzielen ausrichtete, ist der reale Leitzins stets fast sklavisch dem Help-Wanted-Index gefolgt. In den vergangenen Wochen ist der Index aber deutlich stärker gefallen als der Realzins.

Folgt die Fed ihrem Kurs und senkt den Zins weiter (oder beläßt ihn bei steigender Inflationsrate gleich - was auf dasselbe hinausläuft), sieht es für den Dollar noch trüber aus, so die CSFB. Schon jetzt liegt der US-Realzins deutlich unter jenem Großbritanniens (3 Prozent), des Eurolands (1,1 Prozent) und selbst Japans (0,9 Prozent - die japanische Notenbank hat stets die Leitzinsen über der Inflationsrate gehalten). Die Investmentbank setzt daher den Dollar auf Verkaufen und Pfund, Yen, Euro, aber auch starke Ostwährungen wie Tschechen-Krone und Forint, auf Kaufen.

Spekulanten müssen aber schon sehr geschickt alle Hebeln nützen, die ihnen Währungs-Terminkontrakte bieten, um mit der von der CSFB erwarteten Dollarschwächung reich zu werden. Denn der von der Bank erwartete Kurs etwa des Euro gegen den Dollar beträgt in der Dreimonats-Prognose auch nur 1,03 Dollar (gegenüber derzeit 1,01 auf dem Spotmarkt) und in der Jahresprognose 1,05 Dollar.

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