Erste Bank zapft Börse für fast 700 Mill. Euro an

Angeboten werden bis zu 9,21 Millionen junger Aktien sowie 800.000 AVS-Altaktien.

WIEN (apa). Auf 750 Mill. Euro beläuft sich die Rekordemission der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, die am Dienstag die mit Abstand größte Kapitalerhöhung und bisher zweitgrößte Aktienplatzierung in der Geschichte der Wiener Börse startete. Mit dem Verkauf von 9,21 Millionen jungen Aktien würden der zweitgrößten Bank Österreichs zu aktuellen Kursen (Dienstag: 72,3 Euro) rund 660 Mill. Euro zufließen. Dazu kommen noch liquiditätssteigernd 800.000 Altaktien aus dem Bestand von Großaktionärin AVS in den Markt. Das primär für die Finanzierung des Kaufs der restlichen Hälfte an der tschechischen Großsparkasse Ceska Sporitelna (CS) aufgetriebene frische Kapital wird nicht lange auf der hohen Kante liegen.

Kauf weiterer CS-Anteile

Möglichst bald will Erste-Chef Treichl die immer profitabler werdende Ceska Sporitelna nicht nur wie bisher zu 52 Prozent, sondern praktisch ganz in seiner Bilanz haben. Rechtlich ist es der Ersten ab August erlaubt, der Hauptaktionärin AVS (Anteilsverwaltungssparkasse) die dort "geparkten" restlichen CS-Aktien zu kaufen, sagte der Vorstand am Dienstag.

Auf gut 750 Mill. Euro hatte sich auch das Angebot der AVS für den CS-Streubesitz belaufen. Die Ceska, mit Abstand größte Auslandbeteiligung der Ersten, wird nun von der Prager Börse genommen. An ihrer Stelle wird künftig die Erste Bank selbst auch in Prag notieren, laut Treichl "irgendwann zwischen Juli und September." Aus Prag war dazu gestern der Termin 20. August genannt worden.

Erste/AVS halten an der Ceska zur Zeit 93 Prozent, auch die noch verbliebenen Aktien will man aufkaufen. Das "außerordentlich" erfolgreiche Übernahmeangebot für die Ceska war laut Erste-Vorstand Reinhard Ortner ausschlaggebend dafür, daß aktuell nicht nur die früher angekündigten "mindestens 8 Millionen", sondern bis zu 9,21 Millionen junger Aktien von heute, Dienstag, an bis 10. Juli zur Zeichnung aufliegen. Der nach dem heurigen 20-prozentigen Kurszuwachs zuletzt rückläufige Aktienkurs sei nicht der Grund gewesen.

Grundkapital-Erhöhung um 18 Prozent

Die Erste Bank erhöht ihr Grundkapital jetzt um 18 Prozent. Zusätzlich gibt es aus dem Bestand der Anteilsverwaltungssparkasse (AVS) 800.000 Altaktien im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe").

Die Kapitalerhöhung stärkt nicht nur die im Vergleich der europäischen Mit-Big-Player im Retailbanking "extrem niedrige" Marktkapitalisierung pro Kunde, sondern auch den free float und damit die Liquidität der Aktie. Nur mit einem Viertel mitziehen wird die AVS, die damit von zur Zeit 40,3 auf rund 35 Prozent zurück fallen wird. Stärker als anteilswahrend zeichnen sollen die Sparkassen, die zur Zeit zusammen rund 9,5 Prozent halten. Damit werden AVS/Sparkassen zusammen zwischen 45 und 50 Prozent zu liegen kommen.

Bei rund 4 Prozent bleiben wird die Swedbank. Die deutsche Commerzbank (2 Prozent) zieht sich zur Zeit aus Auslandsbeteiligungen zurück und wird - ebenso wie Artesia/Dexia (2,1 Prozent) - ihren Anteil an der Erste Bank "zumindest reduzieren", sagte Treichl bei einer Pressekonferenz zu den Details der Kapitalerhöhung. Keine Angaben machte er zum erwarteten Zeichnungsverhalten der beiden Versicherer UNIQA (6,6 Prozent) und Generali (4,3 Prozent).

Bezugsfrist ab sofort

Heute begann sowohl die Bezugsfrist (bis 9. Juli, 11 zu 2) als auch die Angebotsfrist für die freie Zeichnung (10. Juli). Der Angebotspreis wird ebenso wie die Zuteilung am 11. Juli bekannt gegeben. Ein Preisband wurde nicht genannt, der Höchstpreis liegt bei 90 Euro. Kassatag und erster Tag der Börsenotiz der Neuemission ist der 16. Juli. Wer als "neuer" Aktionär bis 1. Juli zeichnet, dem wird eine Zuteilung von bis zu 200 Aktien garantiert. Die jungen Aktien werden für das Jahr 2002 voll dividendenberechtigt sein.

Treichl: "Marktumfeld nicht sehr günstig"

Treichl räumte heute ein, daß das derzeitige Marktumfeld für einen Börseschritt zwar "nicht sehr günstig" sei, die Emission solle aber das weitere Wachstum in Osteuropa finanzieren, vor allem in den EU-Beitrittsländern, "wo sich bis 2015 das Wachstum abspielen wird." Ein kleiner Teil des Erlöses wird auch in die Rekapitalisierung der jüngst erworbenen kroatischen Rijecka banka verwendet.

Treichl sieht sich bei seinem Ziel, bis 2005 bei einer Marktkapitalisierung von 10 Mrd. Euro zu halten, auf Kurs. Die Erste Bank mit ihrem starken Zentral/Osteuropanetz biete als einzige Bankaktie einen Mix aus Wachstums- und stabilen Märkten an und sei damit auch für in Banken schwierigen Zeiten gut aufgestellt.

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