Investment-Firmen: "Im Ausland mehr zu holen als hier zu schützen"

Die Sicherungssteuer zeigt erste Konsequenzen: Ausländische Kapitalgesellschaften klagen über Umsatzrückgänge - und wälzen Pläne zum Rückzug.

WIEN. Ausländische Fonds haben es in Österreich momentan nicht leicht. Während sich 2001 in Deutschland der Gesamtabsatz ausländischer Fonds verdoppelte, brach er hierzulande um 90 Prozent oder 270 Mill. Dollar (303,4 Mill. €) ein. "Unser Off-Shore-Bereich hat sich um etwa 30 Prozent reduziert", berichtet auch Gustav Dressler von der Invesco Bank Österreich.

Stein des Anstoßes ist die 2,5prozentige Sicherungssteuer, eine mit dem Kapitalmarktoffensive-Gesetz am 31. Dezember 2001 in Kraft getretene Besteuerung ausländischer Investmentfonds, die in Österreich nicht zum Vertrieb zugelassen sind und in heimischen Bankdepots liegen. Da nicht die Erträge, sondern der Wert der Fondsanteile als Berechnungsgrundlage dient, gesellen sich jährlich zu eventuellen Kursverlusten schmerzhafte Zusatzeinbußen.

Will der Investor seine Anlagen nicht vor dem Finanzamt ausbreiten, wird ihm diese Steuer auch nicht rückerstattet. Diese fiskale Hürde wollen nur wenige nehmen. "Diskriminierend ist nicht so sehr die Steuer selbst, sondern ihre Kompliziertheit", so Dressler. Seit Sommer 2001 liegen in Bankfilialen Formulare aus, mit denen die Kunden ihre ausländischen Fondsanteile offenlegen können. Während sich grenznahe Banken in der Schweiz und Liechtenstein die Hände reiben, bricht ausländischen Investment-Firmen im Alpenland das Geschäft weg. Viele der Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) überlegen nun die Auflassung von Büros in österreichischen Gefilden. "Im Ausland gibt es mehr zu erobern als hier zu schützen", gibt sich Franz Xaver Jahrstorfer vom Credit Suisse Asset Management resigniert. "Unsere Dachfondsmanager kann ich auch von Deutschland aus betreuen."

"Die Sicherungssteuer macht das Geschäft mit ausländischen Investmentfonds unnötig kompliziert und führt damit zu Wettbewerbsverzerrung", klagt Dressler von der Invesco. "Der private Aufbau von Pensionsvorsorge wird erschwert, und für das Finanzministerium sind damit keine besonderen Erträge verbunden."

Um die Sicherungssteuer zu kippen, haben die ausländischen Fondsgesellschaften im Dezember 2001 in Brüssel Beschwerde gegen den österreichischen Fiskus eingereicht. Gustav Dressler: "Der Fall der Steuer hängt von der Reaktionsschnelligkeit der Brüsseler Behörden ab."

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