Megaverluste für Allianz und Credit Suisse

Allfinanz-Konzepte erweisen sich zunehmend als Flop. Für 2003 üben sich die Konzernchefs in Optimismus.

ZÜRICH / FRANKFURT (red/ag). Die Allianz-Versicherung mußte im dritten Quartal 2002 mit 2,5 Mrd. Euro den höchsten Quartalsverlust in ihrer Geschichte hinnehmen. Belastet wurde das Ergebnis laut Allianz-chef Henning Schulte-Noelle durch die Börsenkrise, die Hochwasserkatastrophe im Sommer sowie hohe Asbestrisken. Das Hochwasser hat die Allianz mit 664 Mill. Euro belastet, die Wertpapierabschreibungen machten im dritten Quartal 2002 1,7 Mrd. Euro aus.

Als echter Klotz am Bein erwies sich für die Allianz ihre Tochter Dresdner Bank. Als man sie erwarb, um Europas größten Allfinanzkonzern zu formen, versprach sich die Allianz-Führung tolle Ergebnisse. Nun steuerte die Dresdner Bank allein im dritten Quartal 2002 ein Minus von 972 Mill. Euro zum Konzernergebnis bei.

Bad Bank kommt

Laut deutschen Medienberichten überlegt die marode Dresdner Bank inzwischen, ihre Problemkredite aus dem Institut auszulagern. Die faulen Kredite in Höhe von 30 Mrd. Euro sollen in einer "Bad Bank" zusammengefaßt und abgewickelt werden. Allein in den vergangenen zwei Jahren mußte die Dresdner Bank rund fünf Mrd. Euro ihrer Forderungen wertberichtigen.

Tiefrote Zahlen mußte gestern, Donnerstag, auch die Schweizer CS Group bekanntgeben. Der Konzernverlust im dritten Quartal belief sich auf 2,148 Mrd. Franken (1,47 Mrd. Euro). Es war dies das schlechteste Quartalsergebnis in der 146-jährigen Geschichte von Credit Suisse.

Die schlechte Bilanz der CS wird vor allem auf Verluste bei der Versicherungstochter Winterthur zurückgeführt. Sie belastete das operative Ergebnis im dritten Quartal mit 1,4 Mrd. Franken. Aber auch im Investmentbanking der Credit Suisse First Boston entstand ein operativer Verlust von 425 Mill. Franken.

Einen Verkauf von Winterthur, die mit ihren Wertpapierreserven durch die Börsenkrise einen Milliardenverlust erlitten hatte, schloß der designierte CS-Konzernchef Oswald Grübel am Donnerstag aus. Man wolle die Gesellschaft neu strukturieren und wieder in die Gewinnzone führen. Auch der Chef wird ausgewechselt.

Trotz der tiefroten Quartalsergebnisse verbreitete sowohl die Allianz-Führung als auch die CS-Spitze Optimismus. Beide Häuser wollen im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Laut Albrecht Schmidt, dem Chef der HypoVereinsbank (Mutter der Bank Austria-Creditanstalt), ist 2002 das schwierigste Bankenjahr seit Kriegsende. Schmidt sagte bei einer Tagung in Wien, er erwarte in der Bankbranche einen harten Konzentrationsprozeß wie ihn die Stahl- und Autoindustrie bereits hinter sich haben.

Vergleichsweise harmlos nimmt sich das Ergebnis der französischen Großbank Soci©t© Generale aus. Sie meldet für das dritte Quartal 2002 "nur" einen Einbruch des Nettogewinns um 63 Prozent auf 146 Mill. Euro, wofür vor allem die schwachen Börsen verantwortlich waren.

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