Verdacht gegen Manager von AOL-Time-Warner

Ermittlungen wegen Insiderhandels gegen 15 Top-Manager des US-Medienmultis AOL.

NEW YORK (reuters). Die US-Börsenaufsicht SEC wird voraussichtlich ihre Untersuchungen der Onlinesparte des Medienkonzerns AOL-Time Warner auf Insidergeschäfte ausweiten. Im Visier stehen laut "Financial Times" 15 Top-Manager des Konzerns, die zwischen Februar und Juni des Vorjahres Aktien des Konzerns im Wert von rund 500 Mill. Dollar (512 Mill. Euro) verkauft haben. Unter ihnen befinden sich der AOL-Gründer Steven Case, der jetzige Vorstandschef Richard Parsons und der Ex-Onlinechef Robert Pittmann.

In der Zeit der Aktienverkäufe hatte des AOL-Management wiederholt eine optimistische Unternehmensprognose bekräftigt, obwohl andere Konzerne der Branche bereits ihre Aussichten revidiert hatten. Außerdem könnten - dies ist bereits Gegenstand der SEC-Untersuchungen - die Umsätze, konkret die Werbeeinnahmen der Online-Sparte, in den Quartalsbilanzen übertrieben dargestellt worden sein.

Eine Gruppe von AOL-Aktionären hat eine Klage eingebracht, die dem Konzern falsche und irreführende Erklärungen über den Umsatz seit dem dritten Quartal 2000 vorwirft und behauptet, daß die Manager, als sie ihre Aktien verkauften, "im Besitz anderslautender nicht öffentlicher Informationen" gewesen seien. Unterstellt wird Steven Case, der allein dabei rund 100 Mill. Dollar verdient hat, und seinen Kollegen also, daß sie die negativen Nachrichten zurückgehalten hätten und so den Aktienkurs hochhielten, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die betroffenen Manager und der AOL-Konzern gaben keine Stellungnahme ab.

Noch ein Citigroup-Fall

Aufregung auch um einen weiteren möglichen Wirtschaftskriminalfall: Die New Yorker Staatsanwaltschaft untersucht nun die Vergabe eines zehn Mill. Dollar schweren Beratungsauftrags des Telekomkonzerns AT&T an die Investmentbank Citigroup im Jahr 2000. Die Bank hatte den Auftrag gewonnen, nachdem ihr Staranalyst, der mittlerweile gefeuerte Jack Grubman, eine Kaufempfehlung für die AT&T-Aktie ausgegeben hatte. Delikates Detail: Grubmans oberster Chef, Sanford Weill, war damals AT&T-Aufsichtsrat. Gegen Citigroup laufen bereits mehr als zwei Dutzend Verfahren im Zusammenhang mit Grubmans Arbeit.

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